Adical hat in der aktuellen Form zumindest ein mittelgroßes Problem

Adical, das neue Werbeunternehmen für deutsche Blogs –wir berichtetenstartete heute mit seiner ersten Kampagne.

Unabhängig jetzt mal von der Wahl des ersten werbenden Unternehmens („Ohne Cisco wäre China nicht in der Lage, das Internet so zu kontrollieren, wie es heute geschieht.„), denn darüber wird man die nächsten Tage noch genug lesen, möchte ich hier auf andere Aspekte hinweisen:

Zunächst ist die Form der Banner eher suboptimal. Ich nutze unter Anderem mit noscript das zur Zeit drittbeliebteste Addon für Firefox. Noscript erlaubt es, Java und Javascript nur auf Seiten ausführen zu lassen, die man explizit dafür freigegeben hat. Und damit sorgt noscript zunächst mal dafür, dass ich die Adical-Werbung nicht sehe, selbst wenn ich das wöllte. Wenn ich jetzt Adical so sehr mag, dass ich deren Werbung sehen will, muss ich Folgendes machen: Adical.de explizit erlauben, Java und Javascript ausführen zu dürfen. Somit sehe ich schon mal die Werbeleiste. Um jetzt auch noch die Werbung selbst sehen zu können, muss ich auch noch adition.com erlauben. Die werbende Seite muss übrigens auch die Erlaubnis haben. Macht summa summarum im Schlimmstfall 3 Seiten die erst mit einem Klick bestätigt werden müssen, bevor man die Werbung zu Gesicht bekommt. Würde jeder online Werbung so schalten wie Adical, man bräuchte Adblock nicht mehr.
Übrigens: Noscript ist nicht per se ein Werbeblocker, sondern in erste Linie erst einmal ein für mehr Sicherheit sorgendes Addon für Firefox. Das ich Jedem wärmstens ans Herz legen möchte.

Hätte Rene auf Nerdcore den Adicalstart nicht explizit in einem Eintrag thematisiert, es wäre mir nicht aufgefallen. Wie auch, wenn man nichts sieht. (auch Andere thematisieren den Start auf ihren Blogs, Blitzableiter-Artikel, sehr schön)

Und dass das erste Lebenszeichen von Adical gleich mit bewegten Bannern um die Ecke kommt, stößt mir übrigens sehr sauer auf.

Fazit

Halten wir fest:

  • schlecht für den Werbenden: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ein Firefoxnutzer Adical-Werbung nicht sieht selbst wenn er nichts gegen Werbung hat und nur an Sicherheit interessiert ist.
  • schlecht für den Blogger (vielleicht): Wenn der Leser sie sieht, dann sieht er Werbung von einem Unternehmen, das zumindest diskussionswürdig ist (auch wenn ich jetzt schon mit dem Augenrollen anfangen könnte wenn ich nur daran denke wie absurd teilweise die Ausführungen diesbezüglich an den üblichen Stellen wieder sein werden). Gab es eigentlich Blogger, die Cisco abgelehnt haben? Das wird der Punkt sein auf dem die nächsten Tage am meisten rumgehackt wird. Mir fehlt aber aktuell mangels Recherche das Wissen, Cisco und China genügend einzuordnen um die Tragweite zu beurteilen (und nein, ein Spon-Artikel allein reicht mir da nicht).
  • schlecht für den Leser: Und schlussendlich, und das stört mich gewaltig: bewegte Banner. Gleich zum Start. I’m not amused.

Ich stehe Adical auch jetzt noch prinzipiell positiv gegenüber, aber das war ein denkbar schlechter Start. Und wenn das so weitergeht ist der Vertrauensvorschuss aufgrund der Tatsache, dass man direkt aus dem Blogumfeld kommt, bald aufgebraucht.

 

UPDATE: Allen, die hier vor Hass auf adical geifernd reingetorkelt kommen, möchte ich zusätzlich auf diesen feinen Blogeintrag auf adical verweisen:

Wer Werbung in Medien grundsätzlich und immer und sowieso verdammt, kann das gerne tun, sollte aber nochmal nachdenken, vielleicht während eines Praktikums bei der Nordkoreanischen Staatszeitung.

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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