Breaking News hinter Bezahlschranken gehen eher unbeachtet unter

Die Bezahlschranke der Times führte dazu, dass (bis dato mindestens) eine Geschichte, die die Times zuerst brachte keine oder wenig Beachtung fand und von der Öffentlichkeit erst wahrgenommen wurde, als ein Blog die Geschichte neun Tage später berichtete:

Apparently, The Times first had a particular political insider story concerning UK politics — but the story got almost no attention until nine days later when a blog called Labour Uncut re-„broke“ the story and got all the credit for it. That seems only likely to drive tipsters to make sure to avoid the Murdoch paywalled papers even more.

How Murdoch’s Paywalls Meant Some News It Broke Went Unnoticed & Uncredited | Techdirt.

Das ist eine interessante Frage bezüglich Informanten: Wie werden Publikationen hinter Bezahlschranken „Qualitätsjournalismus“ weiterhin anbieten können, wenn Informanten zu den Publikationen gehen, die ohne Bezahlschranke und damit mit maximaler Reichweite arbeiten? Ein brisante Story kann im Web schnell weit über die übliche Reichweite der jeweiligen Publikation kommen; vorausgesetzt, der Inhalt liegt nicht hinter der Bezahlschranke.

Folglich werden Informanten und Tippgeber eher zu Publikationen gehen, die frei abrufbar sind. Immerhin sind sie Informanten und Tippgeber, weil sie die jeweiligen Geschichten an die Öffentlichkeit bringen wollen. Also wählen sie eher den Weg, der maximale Reichweite sicherstellt.

Ergo: Investigativer „Qualitätsjournalismus“ dürfte es hinter einer Bezahlschranke eher schwerer denn einfacher haben. Und langfristig dürfte er sogar eher unmöglich sein.

Mehr zum Medienwandel

Die Audible-Podcasts und die Abhängigkeit der deutschen Medien von Mittelsmännern

Mittelsmann errette uns. Jens Twiehaus gestern auf turi2: Audible startet heute 22 Podcast-Eigenproduktionen in Deutschland. Die Hörbuch-Plattform von Amazon wandelt sich damit zur App für Audio-Inhalte aller Art. An der Offensive beteiligen sich deutsche Verlage und prominente Moderatoren: Interviewer Jörg Thadeusz talkt wöchentlich für „Brand Eins“ über Wirtschaft, Nina Ruge berichtet für „Bunte“ über Promis. […]

„Wer ARD und ZDF „Staatsfunk“ nennt, will sie nicht besser machen, sondern abschaffen.“

Stefan Niggemeier auf Übermedien darüber, wie die privaten Medien über die öffentlich-rechtlichen Medien berichten: Das größere Problem ist dies: Jemand, der so tut, als sei „öffentlich-rechtlicher Rundfunk“ nur ein lästig langes Wort für „Staatsfunk“ und als sei Staatsferne bei einem solchen System ohnehin nicht zu erreichen, setzt die Errungenschaften eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks selbst aufs Spiel. […]

Goodbye Gatekeepers

Ben Thompson über das Ende der Gatekeeper in verschiedenen Branchen. Beginnend mit Hollywood und der Weinstein-Geschichte: Suppose there are five meaningful acting jobs per movie: that means there are only about 500 meaningful acting jobs a year. And Weinstein not only decided who filled many of those 500 roles, he had an outsized ability to […]

neunetz.com abonnieren und keine Artikel mehr verpassen!

Neue Artikel auf neunetz.com per Email erhalten, immer Montags, Mittwochs und Freitags. Jetzt anmelden und künftig besser informiert sein!

Email-Adresse eingeben:


neunetz.com kann auch per RSS-Feed (oder JSON-Feed) abonniert werden. neunetz.com ist natürlich auch auf Twitter und Facebook vertreten.

About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
Marcel Weiß auf Twitter und auf Facebook abonnieren. (Mehr)