Was #Brexit für den Technologiesektor bedeutet

51,9% zu 48,1%, so knapp haben die Briten für den Austritt aus der EU abgestimmt. Der Perlentaucher fasst die ersten Reaktionen zum Ausstieg Großbritanniens aus der EU zusammen:

Ein gespaltenes Land spaltet Europa. Es ist eine soziale Spaltung, schreibt der Guardian: Es sind traditionelle Labour-Wähler, die den Ausschlag für das Brexit-Votum gaben. Und es sind die älteren Wähler, die den Ausschlag gaben, sagt der Telegraph-Redakteur Ben Riley-Smith: Denn die Jungen wählten zu 75 Prozent Remain. Und es könnte zu weiteren Spaltungen kommen, etwa zu einem nordirischen Referendum für ein Vereinigtes Irland. Und doch ist das Votum für Brexit auch Ausdruck eine weltweiten Symptomatik, schreibt Daniel Vernet in Salte.fr – denn in allen Ländern gibt es jene, die sich als „Ausgeschlossene der Globalisierung“ fühlen.

Was bedeutet der Brexit für den Technologiesektor?

Neben indirekten Auswirkungen -die allgemeinen wirtschaftlichen Folgen treffen auch den Technologiesektor– gibt es auch direkte Auswirkungen.

Man kann es zunächst mit diesen zwei Punkten zusammenfassen:

  • Mehr und härtere Regulierung in Brüssel gegenüber US-Technologieunternehmen (Und als Kollateralschäden damit auch gleichzeitig gegenüber europäischen Technologieunternehmen)
  • Die europäischen Headquarter von US-Unternehmen werden London zugunsten eines EU-Landes verlassen. (Höchstwahrscheinlich sehr gut für Berlin)

Das Wall Street Journal vor dem Brexit über die möglichen Folgen (paywall):

At issue is a delicate political balance in the EU over tech policy between countries, including the U.K. and Nordic and Baltic countries, that favor lighter regulation and others, led by France and Germany, that argue the rise of big global technology firms necessitates new rules to help level the playing field.

While most big U.S. tech firms have declined to comment on the vote, some executives acknowledge privately that if the U.K. were to remove or lighten some EU restrictions on, for instance, the use of personal data or corporate tax rules, it might help their U.K. operations. But they say any change like that would depend on follow-through from U.K. policy makers. Any benefit could also be outweighed by an increase in the regulatory burden in the larger remaining portion of the EU, without what they describe as London’s moderating influence.

Der Industrieanalyst Ben Thompson in seinem gestrigen Daily Update (paywall):

More broadly, I have been increasingly worried about a tech backlash; in the United States that is tempered both by the widespread popularity of tech companies and their products and services, as well as by the fact said companies are such key economic drivers. The challenge in Europe is that this latter constraint is removed: there is no golden goose to kill (although many UK-based European headquarters will likely move to another EU country should Brexit happen). That leaves consumer sentiment as tech companies’ best bulwark, and I think it’s fair to say that should the UK step back from the European Union the likelihood of even more aggressive action against the likes of Google would increase.

Die in Technologiefragen moderaten Stimmen aus dem UK werden in Brüssel künftig fehlen. Eine weitere Front, die die Zukunft von Europa sehr ungewiss macht.


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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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