2 Milliarden aktive Nutzer: Höchste Zeit, Facebook ernst zu nehmen

Niemand benutzt Facebook. Abgesehen von mehr als einem Viertel der Weltbevölkerung.

BBC:

More than a quarter of the world’s population now uses Facebook every month, the social network says.

„As of this morning, the Facebook community is now officially two billion people,“ founder and chief executive Mark Zuckerberg posted.

The milestone comes just 13 years after the network was founded by Mr Zuckerberg when he was at Harvard.

2 Milliarden aktive Nutzer ist eine schwer vorstellbare Größenordnung. Journalisten haben eine erstaunlich schwere Zeit, sich das vorzustellen.

Deshalb sprechen Chefredakteure mit Mark Zuckerberg als sei er der Chefredakteur von Facebook. (Siehe etwa die Aftenposten-Geschichte vom letzten Jahr.)

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Redaktionen in ihren eigenen Kommentarspalten die Standards nicht halten können, die sie netzwerkweit von Facebook erwarten. (Keine Hate Speech, aber auch keine Zensur.)

Aber auch Facebook selbst hat die eigene gesellschaftliche Bedeutung recht offensichtlich sehr unterschätzt. Das wurde spätestens deutlich mit der Einführung von Live Video. Mark Zuckerberg konnte sich -on stage zur Einführung- nur live übertragene Urlaubsvideos vorstellen. Kurz nach dem Launch wurde der erste Mord übertragen.

  1. Wie konnte man das nicht vorhersehen?
  2. Hat man das vorhergesehen und wollt erst einmal schauen?
  3. Was kann man machen, um ein solches Live-Produkt auf einer so verbreiteten Social-Plattform trotzdem anzubieten?

Facebook Live ist nur ein Beispiel von vielen, aber es zeigt anschaulich, dass es keine einfache Lösung gibt.

Mark Zuckerberg bereist nun als diesjähriges Jahresprojekt alle US-Bundesländer, um die Auswirkungen seines Produkts auf die Gesellschaft besser verstehen zu können. Ich bin nicht sicher, ob das wirklich das sinnvollste Vorgehen ist.

Aber immerhin, es ist weit mehr als die meisten Journalisten machen, um Facebook zu verstehen.

Auch die Zwei-Milliarden-Grenze wird viele Journalisten nicht daran hindern,

  • zum einen weiter Artikel zu schreiben, die Facebook auf einem absteigenden Ast sehen,
  • und zum anderen zu fordern, das Zuckerberg als Facebook-Editor echtem Journalismus mehr Raum einräumen soll. Ein Missverstehen von allem, das in seinem Ausmaß nicht größer sein könnte. (Es würde den Rahmen sprengen, hier jetzt zu erklären, warum ein 2 Milliarden Menschen großes Netzwerk, das von eben diesen 2 Milliarden bespielt wird, nichts mit einer Redaktion gemeinsam hat.)

Wir hatten in neunetzcast 60 ausführlich über Facebooks Dimensionen und die damit einhergehenden besonderen Herausforderungen gesprochen. Das ist insbesondere wichtig weil:

  • Die Lösungsvorschläge (und identifizierten Probleme) für Facebook in den Massenmedien fast immer unsinnig sind.
  • Facebook selbst gerade erst anfängt, zu begreifen, was man da geschaffen hat. (Der erste Skandal.)
  • Und Mark Zuckerberg Anfang des Jahres höchstpersönlich Facebook eine gesellschaftsformende Funktion als Mission zugeschrieben hat. (Der zweite Skandal.)

Noch vor wenigen Jahren haben deutsche Publikumsmedien frei von Fakten und Menschenverstand vom nahenden Ende von Facebook geschrieben. Zumindest das scheint langsam zu Ende zu gehen.

Wir alle, von Zuckerberg bis Marktbeobachter, müssen anfangen, Facebook ernster zu nehmen. Es wird höchste Zeit.

Ich begleite Facebook hier seit über 10 Jahren. Hier etwa der Artikel zur Plattformöffnung 2007. Die jüngsten Artikel über Facebook:

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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