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# Der Job der Buchbranche
- URL: https://neunetz.com/der-job-der-buchbranche/
- Published: 2012-02-20T16:10:40.000Z
- Updated: 2012-02-20T16:10:40.000Z
- Author: Marcel Weiß
- Tags: Kurz, Analysen, Aufgabenfindung, Grundlagen, #wp, #wp-post, #visibility-public, #Import 2024-11-21 20:37

Jochen Krisch auf Exciting Commerce [über den schwächelnden Buchhandel und die Buchbranche allgemein](http://excitingcommerce.de/2012/02/der-deutsche-buchhandel.html):

> So propagiert der [Branchenverband](http://www.boersenverein.de/) der Buchindustrie in seiner Mischung aus Hilflosigkeit und Verzweiflung weiter [das Prinzip Buch](http://leanderwattig.de/index.php/2011/03/22/ein-versuch-das-prinzip-buch-zu-verstehen/) \- anstatt etwa das Prinzip Lesen oder ein zeitgemäßes Leseerlebnis in den Vordergrund zu stellen. Nicht einmal unsere Freunde vom [bvh](http://bvh.info/) würden heute noch das "Prinzip Katalog" propagieren (wobei sie da inzwischen durchaus weiter sind als viele ihrer Mitglieder). 
> 
> Die Branche, die wir im Industriezeitalter als Buchbranche kannten (und durchaus liebgewonnen haben), wird gerade neu erfunden (siehe [Das Bermudadreieck der Buchbranche](http://neunetz.wpengine.com/2011/10/25/preisfindung-bei-e-books-und-2-andere-herausforderungen-fuer-buchverlage/)).

Das ist ein Problem beim Neuerfinden von Branchen: Die etablierten Player haben Schwierigkeiten die Verschiebungen zu deuten, ganz zu schweigen vorherzusehen, weil sie oft in irreführenden Mustern und Metaphern denken.

Das betrifft beileibe nicht nur die Buchbranche:

Heute mehr denn je muss man sich die Frage stellen, welche Aufgabe das eigene Unternehmen eigentlich erfüllt.

Mehr noch: Welche Aufgabe eigentlich die Unternehmenssparte erfüllt, zu der man auch zählt.

Vom Markt denken, oder vom Kunden her denken, heißt auch, die eigene Position nicht von den eigenen, internen Prozessen und der eigenen Tradition her denken, sondern vom Kontext her.

Wenn sich tiefgreifende strukturelle Veränderungen über eine Branche legen, dann lohnt es sich sehr (so sehr, dass es überlebensnotwendig sein kann), einen Schritt zurück zu gehen und die eigene Position und die Situation der Branche auf einer abstrakten Ebene zu betrachten. Das eigene Feld so weit wie möglich zu abstrahieren. Auf Grundlage dieser Erkenntnis lassen sich dann Strategien für die Zukunft entwickeln.

Wer vom Prinzip Buch ausgeht, geht vom Gestern aus. Wer vom Prinzip Lesen ausgeht, ist der eigenen gesellschaftlichen Aufgabe schon sehr viel näher. Und damit auch dem Markt, dem Leser, dem eigenen Überleben.

Dass das "Prinzip Lesen" so abstrakt und damit losgelöst vom Alltagsgeschäft klingt, ist kein Bug sondern ein Feature.