Die MP3 ist nicht tot, sondern frei (von Patenten)

Die MP3 hat die größte Krise der Recordingindustrie gestartet. Nicht weil MP3-Dateien eine besondere Eigenschaft mitbrachten, sondern schlicht weil sie Musikdateien klein genug gemacht haben, um kompatibel mit den geringen Bandbreiten der Jahrtausendwende zu werden. Die MP3 hat die Revolution in der Musikindustrie um mindestens 10 bis 15 Jahre nach vorn gezogen.1

Die davon losgetretene Urheberrechtsdebatte hat eine Schieflage in der Gesellschaft offengelegt, in der der gesellschaftliche Kompromiss (und das damit verbundene Abwägen) zwischen Schutz und Nutzung von Kultur von der Mehrheit gar nicht mehr wahrgenommen wird. Es gibt nur den Schutz, und was nicht geschützt wird, ist verloren.

Übersehen werden dabei natürlich die damit verbundenen Kosten. Und was für den einen Schutz ist, ist für den anderen ein Verbot. (Oder, wenn man es nicht so wertend beschreiben will, mindestens eine Einschränkung.)

Immer wenn es um das Urheberrecht geht, hat dieses Unverständnis, was Freiheit/Ungeschütztheit in diesem Kontext bedeuten kann, zum Verblüffendsten für mich gezählt.

Wir sind in einer Welt aufgewachsen, in der unsere gesamte Kultur profitorientiert organisiert und entsprechend von exklusiven Rechten geschützt wird.2

Ein freier Umgang mit zeitgenössischer Kultur, der über passiven Konsum hinausgeht, ist heute praktisch nicht möglich. Das ist für uns so normal, dass wir uns etwas anderes gar nicht vorstellen können.

Wie Tiere, die in einem Zoo zur Welt kommen und nur die Gefangenschaft kennen, kennen wir nur eine Welt mit hart regulierter Kultur.

Anaway, die MP3 hat durch das von ihr verursachte Chaos im Musikbereich die seit Jahrzehnten (und vielleicht seit immer) erste ernsthafte gesellschaftliche Debatte über Urheberrechte, und immaterielle Güter, losgetreten.

Wie passend also, dass das Ende der Patente rund um die MP3 die oben beschriebene Freiheitsblindheit noch einmal deutlich gemacht hat.

Hier (englisch) verkündet Fraunhofer IIS das Ende des MP3-Lizenzprogramms, weil die Patente ausgelaufen sind, ohne das Ablaufen der Patente zu erwähnen:

On April 23, 2017, Technicolor’s mp3 licensing program for certain mp3 related patents and software of Technicolor and Fraunhofer IIS has been terminated.

Hier auf deutsch, wo der Ablauf der Patente erwähnt wird:

Am 23. April 2017, mit dem Ablauf einiger mp3 Patente, wurde das Lizenzprogramm von Technicolor und dem Fraunhofer IIS beendet.

(Aufgrund der Medienberichte vermute ich, dass der Ablauf der Patente nachträglich hinzugefügt wurde. Oder die Blindheit der Journalisten geht weiter als gedacht.)​ Es wird in erster Linie angedeutet, dass die MP3 ausgedient habe. Zur Zukunft der MP3 und von Audio allgemein heißt es im Statement vom Fraunhofer IIS:

Auch wenn es heute effizientere Audiocodecs gibt, ist mp3 nach wie vor sehr beliebt bei Endanwendern. Heutige Medien wie Streaming, Fernsehen oder Radio nutzen jedoch modernere ISO MPEG-Verfahren der AAC-Familie oder in Zukunft auch MPEG-H Audio. Diese bieten erweiterte Einstellungsmöglichkeiten und eine bessere Audioqualität bei viel geringeren Bitraten im Vergleich zum mp3-Format.

Das ist in seiner hässlich deutschen Kleinlichkeit wirklich außergewöhnlich: Künftig kann jede/r MP3s nutzen und in Encoder/Decoder integrieren, ohne dem Fraunhofer Lizenzen zu zahlen, weil die Patente ausgelaufen sind. Statt etwa zu schreiben, dass die MP3-Technologie jetzt der Menschheit gehört und man freue sich -zum Beispiel- darauf, zu sehen, was ‚die Community‘ damit machen werde, wird angedeutet, dass die MP3 eigentlich auch veraltet sei, man brauche sie gar nicht mehr. (Dazu gleich mehr)

Man hat sich beim Fraunhofer dafür entschieden, nur zerknirrscht auf das Ende des Lizenzprogramms zu verweisen und die neue Freiheit des MP3-Standards mit keinem Wort zu erwähnen.

Es ist sehr deutsch: Beim Fraunhofer ist man jetzt schlicht nicht begeistert, dass alle Welt MP3s verwenden kann, ohne die Erfinder weiter dafür zu bezahlen.

Laut einem Dokument vom Fraunhofer waren die Einnahmen nicht niedrig (PDF), für Lizenzeinnahmen für eine über 20 Jahre alte Technologie:

Die Lizenzerträge der Fraunhofer-Gesellschaft aus den mp3-Patenten summieren sich jährlich auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.

Weltweit sind viele Medien auf die Fraunhofer-Version aufgesprungen. Der Tod der MP3 wird überall beschrieben. Weil Fraunhofer das Lizenzprogramm einstellt, weil niemand mehr verpflichtet ist, sie zu bezahlen.

Tiere, die in Gefangenschaft aufgewachsen sind.

Beispielsweise bei t3n:

Vor wenigen Wochen nun, am 23. April 2017, hat das Fraunhofer Institut das letzte Lizenzprogramm mit Technicolor beendet und somit mehr oder weniger offiziell den jahrelangen Standard der Audiocodierung – zumindest symbolisch – zu Grabe getragen. Das heißt nicht, dass MP3 nicht mehr funktioniert, aber dass die Prioritäten inzwischen woanders liegen. […]

Die durch die Erfindung induzierten Steuereinnahmen summieren sich laut Fraunhofer IIS für Bund und Länder auf jährlich 300 Millionen Euro. Mindestens 9.000 Arbeitsplätze seien in Deutschland direkt bedingt durch MP3 – etwa im Handel oder bei Herstellern entsprechender Abspielgeräte.

t3n ist bei weitem nicht allein.

Techdirt über den Fall:

The termination of the licensing program was not a choice, nor was it suddenly motivated by the ascendence of another format that has itself been around for 20 years. Most importantly, despite what many people have reported, this does not mean the death of the MP3. Of course, Fraunhofer’s statement didn’t contradict any of these things, it just omitted them all and left people with the implication that this move ensured the decline and eventual death of the format — when in fact it likely means the exact opposite.

Prior to this, developers wishing to include MP3 functionality in their software needed a license to do so. If you use Linux, or open source audio tools like the excellent Audacity, you already know this: open-source software doesn’t ship with MP3 encoding and decoding capabilities built in, but requires you to separately download and install the codec so as not to pollute the FOSS package with proprietary, patented code. That’s no longer the case, and indeed Red Hat has already announced that Fedora will now ship with MP3 capabilities built in (hat tip there to one of the few blogs that is reporting this story properly). Expect Audacity and countless other FOSS apps to follow suit soon. As for non-open-source software, it’s one less patent number on the long lists of licenses that live on loading splash screens and About dialogues, and a little bit of saved cost. All around, it’s the removal of a barrier to building apps and tools that work with this ubiquitous audio format.

Does that sound like death to you? […]

While it’s frustrating that Fraunhofer issued such a misleading statement, it’s even more frustrating that so much of the media uncritically parroted it.

Tatsächlich wird es jetzt mit der MP3 erst richtig spannend.

Die MP3 ist nachwievor der unumstrittene Audiostandard. Für Standards ist entscheidend, dass sie eine kritische Verbreitung erreichen. Die MP3 mag technisch hoffnungslos unterlegen sein, aber in Sachen Verbreitung schlägt sie sie alle; auch und gerade die freien Formate, von Flac bis Ogg. (Deshalb hat das Fraunhofer auch in Zeiten des Streamings weiter verhältnismäßig gute Lizenzeinnahmen zu verzeichnen gehabt.)

Abwärts kompatible Erweiterungen des MP3-Standards sind nun nur eine Frage der Zeit.

Marco Arment, Entwickler und Macher der populären Podcast-iOS-App Overcast, über MP3 als Standard:

AAC and other newer audio codecs can produce better quality than MP3, but the difference is only significant at low bitrates. At about 128 kbps or greater, the differences between MP3 and other codecs are very unlikely to be noticed, so it isn’t meaningfully better for personal music collections. For new music, get AAC if you want, but it’s not worth spending any time replacing MP3s you already have.

AAC makes a lot of sense for low- and medium-quality applications where bandwidth is extremely limited or expensive, like phone calls and music-streaming services, or as sound for video, for which it’s the most widely supported format.

It may seem to make sense for podcasts, but it doesn’t. Podcasters need to distribute a single file type that’s playable on the most players and devices possible, and though AAC is widely supported today, it’s still not as widely supported as MP3. So podcasters overwhelmingly choose MP3: among the 50 million podcast episodes in Overcast’s database, 92% are MP3, and within the most popular 500 podcasts, 99% are MP3. […]

Until a few weeks ago, there had never been an audio format that was small enough to be practical, widely supported, and had no patent restrictions, forcing difficult choices and needless friction upon the computing world. Now, at least for audio, that friction has officially ended. There’s finally a great choice without asterisks. […]

MP3 is supported by everything, everywhere, and is now patent-free. There has never been another audio format as widely supported as MP3, it’s good enough for almost anything, and now, over twenty years since it took the world by storm, it’s finally free.

(Hervorhebung von mir)

Es ist diese bereits existierende Verbreitung -eine Allgegenwärtigkeit-, welche die MP3, jetzt da sie frei von Beschränkungen ist, zementiert als auch künftigen De-Facto-Standard für Audio.

Es ist eigentlich sehr einfach und offensichtlich.

Last not least, die MP3 ist tatsächlich eine seltene deutsche digitale Erfolgsgeschichte. Welche digitalen Standards, die sich weltweit etablieren konnten, kommen noch aus Deutschland?

Umso trauriger, dass die Verantwortlichen beim Fraunhofer sich dafür entschieden haben, so zu tun als wäre die MP3 jetzt bedeutungslos, nur weil sie keine Lizenzeinnahmen mehr damit erwirtschaften können.

Fraunhofer hätte eine Führungs-/Organisationsrolle für das jetzt kommende zweite Leben der MP3 einnehmen können. Die Authorität dafür hätten sie gehabt.

Die haben sie jetzt natürlich nicht mehr.


  1. Sprich, ohne die MP3 wäre das Gleiche Ende der Nuller Jahre gekommen, als die Bandbreiten groß genug und Flatrates allgegenwärtig wurden. 
  2. Und die damit aufgebauten Unternehmen erhalten mehr Öffentlichkeit als etwa Forscher oder Aktivisten, die gegenteilige Ansichten vertreten. Man kann das systemisch unproblematisch begründen: Massenmedien gehören zu diesem Komplex mit jeder Faser dazu. Selbst die öffentlich-rechtlichen Medien hierzulande konnten sich nie von der zugrundeliegenden Denkweise lösen. Das ist gleichsam so erstaunlich wie es traurig ist. 

Das Interessanteste an Spiegel Daily

..also, das „Interessanteste“ ist, dass das neue Angebot unnötig die Spiegelmarken mit von außen nicht vorhersehbarer Vermischung der Inhalte zu einem undurchsichtigen Dschungel anschwellen lässt:

Einmal am Tag die Welt anhalten – das will das Redaktionsteam von SPIEGEL DAILY für den Leser leisten: Entschleunigung, Einordnung und Orientierung. Täglich um 17 Uhr erklärt DAILY die wichtigsten News des Tages, liefert pointierte Kommentare, fasst die Debatten in den sozialen Netzwerken zusammen und hat Tipps für den Feierabend.

Exklusive Geschichten aus dem SPIEGEL, Highlights von SPIEGEL ONLINE und Videos von SPIEGEL TV runden das Angebot ab. Die redaktionelle Leitung des neuen Produkts liegt bei Timo Lokoschat und Oliver Trenkamp.

Dass man künftig in diesem neuen Angebot nicht mehr Inhalte von Spiegel, Spon und Spaily (? Let’s roll with it) unterscheiden kann und man etwa, zum Beispiel, nicht weiß, welche Inhalte von wo wohin hausintern syndiziert werden, ist vielleicht nicht unbedingt so gedacht gewesen1, aber das ändert nichts am Ergebnis. Statt einer thematischen Klammer setzt man auf eine zeitliche Klammer (der Tag). Und statt es dem Leser einfach zu machen (Was bekomme ich), macht man es der Redaktion einfach. (Eigene Inhalte + übernommene Inhalte; ohne zum Beispiel ein Fokus auf bestimmte Ressorts/Themenfelder)

Hier ist ein einfacher Test:

Angenommen, ich bin interessiert an Inhalten aus dem Hause Spiegel. Wann entscheide ich mich für ein Spiegel-Abo, wann für ein Spiegel Daily-Abo? Wo liegt der konkrete, für mich als Leser verständliche Unterschied zwischen Spiegel, Spiegel Online und Spiegel Daily? Was vermisse ich ohne Spiegel Daily?

Kurz, die wichtigste Frage, die jedes Produkt beantworten muss: Warum?

Spaily scheint, wie so viele Medienmarken, nicht vom Kunden her gedacht zu sein.

Spaily kostet, also, hier:

Der Wochenpass kostet 2,49 Euro und endet automatisch nach einer Woche. Abonnenten des digitalen SPIEGEL erhalten DAILY kostenlos, Print-Abonnenten bekommen für 0,50 Euro über ein Digital-Upgrade Zugriff auf die digitale Abendzeitung.

So wenige Produkte, so komplizierte Preise.

Spaily ist ein Versuchsballon, der vergleichsweise günstig im Betrieb sein dürfte, aber in seiner heutigen Form keine 2 Jahre überleben wird.2

Spaily zeigt, wie Bento und co. davor, dass der deutschen Medienlandschaft auch 2017 keine richtige Antwort auf das Internetumfeld, in dem sie operiert, einfallen will. Der Wille ist mittlerweile da, aber das grundlegende Verständnis fehlt in der deutschen Verlegerlandschaft leider noch immer.

In den USA sieht man aktuell neben Quartz, das seit Jahren spannende Medienformate entwickelt (oder etwa auch an Buzzfeed), vor allem am neuen Axios, wie redaktionelle Medien heute aufgebaut werden müssen.

Besonders der direkte Vergleich zwischen Axios und Spaily zeigt schmerzhaft den großen Unterschied auf zwischen Kür und dem, was hierzulande gelauncht wird.


  1. Es gab sicher kein Meeting, in dem jemand aufsprang und sagte „Wir müssen die Produkt- und Preisstruktur von Versicherungen endlich zum Journalismus bringen!“ 
  2. Tipps für den Feierabend: Schauen Sie heute abend doch einmal auf Facebook vorbei. Vielleicht hat einer Ihrer Freunde ein schönes Bild gepostet. 

Was Voicefirst-Geräte wie Amazon Echo Look ermöglichen und was nicht

Ja, der Amazon Echo Look, ein Amazon Echo mit Kamera für Outfit-Selfies, mutet eigenartig an auf den ersten Blick.

Ich habe heute auf Early Moves darüber geschrieben:

The immediacy of voice enables every day usage that, over time, through accumulated data can enable new services:

„With Echo/Alexa in your closet, the system will slowly begin to understand what you own, like and may like in the future. In fact, it may turn out that many users will use the LookBook app rather than dig through their closet to suggest what to wear on a particular day. […]

Additionally sooner than most of us can think, Alexa may say “Lisa, you have a meeting with Bob today from headquarters, so I have made some suggestions in your LookBook so that you look your best. You also have a date with Eric and the same outfit will work for the evening, with the accessories you can add after work. What do you think?” […]

The Style Check aspect of Echo Look is a great example of how deep learning and AI can attack a problem. Over time, and based on your personalized look, Style Check will improve with ideas.“

Die Zitate stammen von diesem lesenswerten Artikel von Brian Roemmele.

Weiter von mir:

​There are several interesting questions arising from this:

When will Amazon release more Echo incarnations dedicated to specific use cases?
Which online retailers have similar ressources and competencies to build similar devices/services?
Which platforms will enable similar things in a modular fashion? (For online retailers not capable of doing it themselves. And yes, that pun was intended.) […]

There is now every conceivable way covered in which one can integrate Amazon’s voice technology: Integrate Alexa, integrate the microphone tech behind Echo, integrate only the core language technology. […]

Thus, it is not farfetched to assume that the cloud side of things (Lookbook, image recognition and categorization) of today’s Echo Look could become a platform themselves. (In fact, it makes no sense for Amazon to not open this up via APIs to hardware partners.)

​Der Echo Look, ein schlechterer Echo (bei Mikrofonen und Lautsprecher), der dank Kamera und zusätzlicher Sensoren teurer als der klassische Echo ist, wird ein Nischenprodukt bleiben.

Aber die Verbindung aus Sprachsteuerung, Kamera und machine learning / AI in der Cloud ist hier schon spannend. Abgesehen vom sofortigen Buzzwordbingogewinn zeigt Amazon, mal wieder, wohin sich (nicht nur) der Onlinehandel abseits der klasischen Screen-Interaktion entwickeln kann und wird.

Ein paar abschließende Anmerkungen zu den üblichen Diskussionen in Deutschland:

Spiegel Online:

Die Bilder und Videos, die Amazon standardmäßig „auf unbestimmte Zeit“ speichern will, könnten außerdem zur staatlichen Überwachung von Nutzern führen, warnen Tufekci und andere. So gab es in der Vergangenheit in den USA bereits Fälle, in denen Behörden auf die Daten von Amazons Audiogerät Echo zugreifen wollten – zum Beispiel um belastendes Material gegen einen Verdächtigen in einem Mordfall zu bekommen.

Amazon stellte den Ermittlungsbehörden im damaligen Fall Details über den Account des Verdächtigen und dessen Einkäufe zur Verfügung. Das Unternehmen verriet aber wohl keine Informationen, die der Echo auf dem Server des Unternehmens hinterlassen hat.

Was Spiegel Online unterschlägt:

Amazon wollte die Herausgabe der Daten im Mordfall bekämpfen. Der Angeklagte willigte der Herausgabe aber zu.

Es gibt ein (nicht nur) in Deutschland verbreitetes Missverständnis darüber, wie die Alexa-Voiceplattform (der Dienst hinter den Echos) arbeitet. Echos senden nicht konstant, was in einem Raum gesagt wird, an die Alexa-Plattform. Das wäre nicht nur privatsphärentechnisch schwierig. Es würde auch den Trafficdurchsatz der Internetanschlüsse der Nutzer erheblich beeinflussen und würde bei, nach letztem Stand vor einem Jahr, über 3 Millionen Echo-Geräten auch erhebliche und vor allem unnötige Kosten bei Amazon verursachen.

Echo sendet Daten erst, nachdem das Weckwort identifiziert wurde, also „Alexa“ in den meisten Fällen.

(Dieses Verhalten lässt sich von jedem technisch versierten Nutzer im Heimnetzwerk leicht nachprüfen.)

Was mögliche Datenschutzbedenken angeht, unterscheiden sich Echo oder auch Google Home also nur minimal bis gar nicht von anderen mit dem Internet verbundenen Mikrophonen wie denen in Smartphones, Laptops und Tablets zum Beispiel, welche auch daheim herumliegen und im Wlan sind.

Es ist also zum Beispiel nicht ganz klar, wieso zum Beispiel netzpolitik.org Amazon Echo eine Assistenzwanze nennt. Technisch unterscheidet sich der Echo nicht von einem iPhone, das mit Siri geweckt werden kann, oder von einem Android-Gerät, das mit „OK, Google“ geweckt werden kann. Details, Schmetails!

Zurück zum Mordfall: Wenn der Angeklagte schuldig war, hat er besser verstanden wie Echo arbeitet, als es die anfragende Polizeistelle verstand, und mit der Freigabe ohne Not sich unschuldiger ausehen lassen. Denn die Daten, die Alexa/Echo aufzeichnen, werden in solchen Fällen nur potentiell relevant, wenn ein Alex involviert ist. Oder das Setzen eines Timers oder eine Musikauswahl schnell und schrecklich eskaliert.

Natürlich können Echos zur staatlichen Überwachung eingesetzt werden. Aber kein Geheimdienst braucht ein Echo in einem Raum, in dem sich so viele Smartphones wie Menschen befinden.

Zur Not lässt sich alles mit einem Button abschalten:

For piece of mind, a button on the side turns off both the camera and the always-listening microphone.

Es bleibt natürlich ein Spannungsfeld zwischen privat und semi-privat, dass mit diesen vernetzten Voice-Geräten aufgemacht wird. Aber das gilt weithin für das Internet und die rasante Zunahme vernetzter Geräte. (Wenn Echos Wanzen sind, was werden dann selbstfahrende Autos erst sein? Der deutsche Datenschutz scheint längst Peak Ideologie erreicht zu haben. Oder anders gesagt: Da scheint jemand die Fähigkeit zu verlieren, über sein Kernthema kommunizieren zu können.)

Wir haben in Thingonomics in den letzten Monaten ausführlich in zwei Ausgaben über Amazon und Voice gesprochen:

​* Thingonomics 18: Amazon, Google, Apple und die Zukunft der Voice-Assistenten
* Thingonomics 16: Wo Amazon mit Alexa heute steht

Amazon baut eine Plattform für Abonnements mit „Subscribe With Amazon“

Amazon hat mit ‚Subscribe With Amazon‘ einen Marktplatz für Abos (US only zunächst) vorgestellt, in dem vom New Yorker bis Dropbox alles vertreten sein kann, was digital abonniert werden kann.

Wie ich das mit diesen Dingen mache, habe ich dieses neue Angebot von Amazon bei den Early Moves analysiert:

First, some context:

  • Digital services, aside from ad-financed ones, are mainly making money with subscriptions, mobile apps included. So, subscriptions are a very strongly groing ‘category’.
  • Media consumption is moving towards subscriptions. (Netflix, Spotify) Amazon realized this a long time ago and acted accordingly: Amazon Video, Kindle Unlimited.
  • Subscriptions can be very powerful: They change the cash flow and thus the calculations and thus can change dramatically the underlying business model.
  • Subscriptions can be bundled, as Amazon did with Amazon Prime.

Now, for Subscribe With Amazon within that context:

  • Imagine a layer connecting all kinds of subscriptions. At first this may look just like a payment service. And it sure is! For consumers ‘Subscribe With Amazon’ can become a (the?) place to see all subscriptions.
  • This is already a nice, low-effort tax model for Amazon. Amazon already has significant scale on the consumer side making Amazon a natural choice for a lot of subscription services.
  • But of course, this becomes interesting once Amazon moves away from just providing a place for selling and buying subscriptions and goes into organizing/aggregating mode: Amazon can bundle subscriptions and sell those bundles. As bundles do, everyone wins if done correctly: The services find more customers, the customers get services for less money, and Amazon, well, the company gets to collect its marketplace tax.
  • This becomes also possible by virtue of getting market data to analyze. Which Amazon already has in troves and will get more so with this marketplace. It is market insights no one else has. Amazon can (and will) use that to package and price bundles accordingly with partners who will jump on board. And, again, make no mistake: A lot will as this will make a lot of sense for most subscription providers.
  • Now, add Amazon Prime into the mix. What third-party services might Amazon add in the future to Prime? What “Prime bundles” or “Prime subsriptions” may Amazon introduce? Those could be discounts and/or premier tiers at other services. As with the Amazon Marketplace, Prime become the flywheel for ‘Subscribe With Amazon’. And even more so, as Prime itself is already a subscription it lends itself well to get connected with other subscriptions. There are already at launch the first exclusive offers for Prime members available: Fitstar by Fitbit and Texture Premium (an aggregator of digital magazine content) use this, for example.
  • Now think about stuff like meal-kit subscriptions à la Blue Apron or the fashion subscription Rent the Runway Unlimited within this new context.

Amazon legt hier gerade die Basis, um sehr viel Richtung Abos machen zu können. Da Abonnements neben Werbung das wichtigste Erlösmodell online werden, wenn sie es nicht bereits sind (ich würde sagen, sie sind es bereits), macht Amazon hier gerade ein mächtiges Feld auf.

10 Jahre später: Facebook baut immer noch Plattformen im Jahrestakt

Vor 10 Jahren fand die erste f8-Entwicklerkonferenz von Facebook statt. Mein Bericht von damals, als ich Facebook prophezeite „langfristig in Userzahlen sogar myspace schlagen“ zu können, kann man hier nachlesen. Simpler times.

Auch1 dieses Jahr hat Facebook wieder plattformisiert, als gäbe es keinen Morgen mehr.2

Das Interessanteste: Nachdem Facebook Snapchats Stories in quasi alle seine Apps von Instagram über Messenger, Whatsapp und Facebook selbst in verschiedenen Inkarnationen integriert hat, öffnet Facebook jetzt die zugrundeliegende Technologie darunter. (Über Stories in Facebooks Apps haben wir auch im neunetzcast gesprochen: Unter anderem in Episode 58 und Episode 63)

Facebook will eine Plattform rund um die Smartphone-Kamera und AR etablieren.

TechCrunch:

“I guess I’m not that worried about that” Mark Zuckerberg said in response to criticism about Facebook copying Snapchat. He defended the “misunderstood” strategy as laying groundwork for Facebook’s new Camera Effects Platform for developers that launched today. “The first chapter that made sense was to release products that people were familiar with . . . but the unique thing that we’re going to do is we’re not just going to build basic cameras, we’re going to build the first mainstream augmented reality platform.”

While Snapchat might have popularized animated AR selfie masks and filters, it lacks a platform for developers to contribute their own creative tools for people to use. Facebook plans to draw on its decade of platform experience to enlist an army of developers to build an endless array of AR special effects and interactive experiences triggered by real world objects and places.

“The camera needs to be more central than the text box in all of our apps,“ hat Zuckerberg auf der Bühne gesagt. „We’re making the camera the first augmented reality platform.“

Buzzfeed:

There will be three big augmented reality areas Facebook is pushing into. The ability to display information on top of the world in front of you, the ability to add new digital objects to your environment (think: Pokemon Go), and the ability to enhance existing objects. […]

This new Camera Platform, as the company calls it, is a major bet that the camera isn’t simply a tool used to capture images. It’s something you’ll use when you want to share photos and videos, sure, but also when you want to overlay digital experiences on the real world. Imagine, Zuckerberg urged, using Facebook’s camera to view pieces of digital art affixed to a wall. Or to play a digital game overlaid on a tabletop. Or to leave a digital object in a room for someone to later discover — perhaps even future generations. Imagine using your phone to take a 2D photo, and then transform that photo into a 3D space. Imagine manipulating a friend’s expression to make them smile, or frown, or, well, whatever. Imagine changing your home into Hogwarts for a Harry Potter-obsessed daughter. That’s what Facebook is doing. “We see the beginning of an important platform,” Zuckerberg said.

Mark Zuckerberg im Interview mit Buzzfeed:

Over the coming months, Zuckerberg said, the company plans to give developers (and to a more minor extent the public at large) a chance to use its tools to create their own filters and effects for Facebook’s cameras. Developers who want to build their own apps, games, and art will be able to do so, opening up a wide array of creative possibilities that Zuckerberg himself admits — and perhaps even hopes — will take Camera in unanticipated directions.

And in opening its platform, Facebook will give developers access not only to AML’s tools, but also to its multi-app, billion-plus-person release channel. “Even though they’ll feel a little bit different in terms of features between Instagram and WhatsApp and Messenger, all the stuff that developers are going to build is going to be fundamentally compatible with cameras in all of these,” Zuckerberg said.

A year ago, the social giant was in the midst of a small crisis, fending off a challenge from Snapchat which seemed to now own the fun, raw moments that originally gave social media its charm. Meanwhile Facebook proper was experiencing a decline in orignal sharing. In response, Facebook ruthlessly copied Snapchat Stories into all its products. And while Stories may seem like a wasteland in the main Facebook App, last week, daily users of Instagram Stories surpassed Snapchat as a whole (at least based on the latest numbers Snapchat provided). There are a lot of ways Facebook can use its network to win.

Letztes Jahr hat Facebook versucht eine Bot-Plattform in Messenger zu etablieren (dazu gleich mehr), was nicht so gut funktioniert hat. Es funktioniert also nicht immer.

Im Gegenteil: Facebook versucht praktisch jedes Jahr auf seiner f8-Konferenz eine neue Plattform zu etablieren und scheitert damit fast immer.

Die neue Kamera/AR-Plattform hat ein Problem: Sie erinnert ein bisschen an Facebook’s 2014er f8-Plattform-Versuch: 2014 hat der blaue Riese versucht, mit „App Links“ Deeplinking zu mobilen Apps zu bringen. Das hat bekanntlich (auch) nicht geklappt. Nicht zuletzt sicher, weil Entwickler mobiler Apps solche Features eher nur annehmen, wenn sie von den Providern der Betriebssysteme selbst kommen (also Apple und Google).

Mit Kamera/AR könnte es ähnlich sein: Snapchat hat der Branche gezeigt, wie wichtig die Smartphone-Kamera sein wird: Als Kommunikationsmittel, als Inputmethode -nicht „Fotos machen“, sondern visuell kommunizieren. Gleichzeitig sind Smartphones mächtig genug geworden, um Bilderkennung und -bearbeitung in realtime anzubieten.

Was wir mit Kameras machen können, die wir immer dabei haben und die an kleinen Supercomputern hängen, hat bis jetzt wirklich nur Snapchat erforscht. Und jetzt hechelt Facebook hinterher.

Das Problem ist natürlich, dass das Betriebsystem ‚closer to the metal‘ ist, also rechenintensive Aufgaben auf OS-Ebene anders (besser) umgesetzt werden können als auf App-Ebene. Und dass gleichzeitig Apple und Google ebenso wie Facebook an der Evolution der Kamera arbeiten.

AR und Kamera werden dieses Jahr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch auf Googles I/O-Entwicklerkonferenz und Apples Entwicklerkonferenz WWDC eine wichtige Rolle spielen.

Der einzige, allerdings sehr wichtige, Vorteil den Facebook und Snapchat haben: Kommunikation findet da statt, wo das Netzwerk ist. Und das haben Apple und Google nicht.

Es bleibt also spannend.

Facebook hat außerdem seine Bot-Plattform weiterentwickelt. Angesichts des katastrophalen ersten Jahres unvermeidbar. (Siehe unter anderem meine Berichterstattung zum Thema auf Early Moves)

Analyst Jan Dawson zur neuen Messenger-Plattform:

Facebook also overhauled its Messenger Platform, which launched last year, and went as far as to call it Messenger Platform 2.0. That kind of separation from the version launched a year ago is smart, because the first round was ill thought out, with the vision for bots both too expansive and not nearly detailed enough. In the year since, Facebook has made a lot of progress, and the version of bots it now offers to developers is much more compelling and better suited to the kinds of things it will be used for. Facebook is also getting better at serving small and medium sized businesses, which continue to make up an enormous chunk of the total base of businesses in many markets. That’s important because these businesses represent the biggest future opportunity for Facebook advertising, which is already well penetrated among larger enterprises.

Siehe auch TechCrunch zum Thema:

Facebook’s new Chat Extensions lets you use Messenger bots in group chats so you can watch a sports game’s play-by-play together from TheScore’s news ticker bot, collaborate on building a Spotify playlist, or get a consensus on booking a flight through Kayak. OpenTable, the NBA, Food Network, WSJ, and other developers are also launching group bots today.

Mehr:


  1. Vor sieben Jahren etwa wurde der Like-Button auf das Web losgelassen
  2. Was ja durchaus stimmen kann. 

Telekom „Stream On“ verdeutlicht, dass Tech-Riesen Netzneutralität nicht brauchen

Und nicht nur das. Nicht nur brauchen die großen Tech-Konzerne Netzneutralität nicht. Sie haben ein Eigeninteresse daran, dass es Netzneutralität, ein „level playing field“ also einheitliche Wettbewerbsbedingungen, verschwindet: Ohne Netzneutralität können sich die großen Konzerne im Zusammenarbeit mit Internetanbietern mittels Geld Vorteile auf dem Markt erkaufen, die für Startups unerschwinglich sind. (Schön auch hier veranschaulicht.)

Schön sieht man das am Beispiel der neuen Tarifoption „Stream On“ der Telekom.

Stephan Ebmeyer, SWR, auf Tagesschau.de: „Zwei-Klassen-Internet dank Turbo-Daten?“:

Ab heute startet die Telekom im Mobilfunk ihre Tarifoption „Stream On“. Sie ist in höheren Tarifen kostenlos buchbar und verspricht Streaming unterwegs „ohne Verbrauch des Datenvolumens“. Das ist für Kunden praktisch, die mobil Musik oder Videos nutzen wollen. Und es spart dadurch manchen Nutzern Geld: Wenn Sie die entsprechenden Partnerdienste nutzen.

Denn zu Beginn sind zahlreiche große, namhafte Partner mit an Bord: Apple, Amazon, funk, Napster, Netflix, Sky, YouTube und das ZDF zum Beispiel. Wer die Dienste dieser Partner nutzt, schont sein Datenvolumen. Das bedeutet aber auch: Wer andere Dienste unterwegs nutzt, muss sein teures Datenvolumen verbrauchen – eine indirekte Maut sozusagen. Das birgt die Gefahr, dass Nutzer nur noch die Dienste verwenden, die kein Datenvolumen verbrauchen.

Es gibt keine einheitliche „Tech-Industrie“. Und selbst die Interessen großer etablierter Unternehmen und kleiner junger Unternehmen in der gleichen Marktnische sind nicht identisch, wenn es um Netzneutralität geht. Startups sollten sich dessen bewusst sein.

Regulierungsbehörden auch.

„Stream On“ und co. sind auch und vor allem aus Wettbewerbsgründen höchst problematisch.

Neu ist diese Entwicklung hin zur positiven Datendiskriminierung freilich nicht. Tagesschau.de:​

Bis August 2016 hatte die Telekom im Mobilfunk noch eine Partnerschaft mit dem Audio-Streaming-Anbieter Spotify. Für knapp zehn Euro im Monat konnten Kunden Spotify nutzen, ohne dass ihr Datenvolumen dadurch aufgebraucht wurde. Den Tarif hat die Telekom für Neukunden mittlerweile eingestellt.

Auch Telefónica Deutschland hat ein Angebot, dass das Prinzip Netzneutralität untergräbt, weil es einen speziellen Dienst ein bisschen besser als andere Dienste behandelt: WhatsApp. Mit der „WhatsApp SIM“ können Kunden nämlich „ohne WLAN und ohne Guthaben unbegrenzt texten“. Befürworter der Netzneutralität sehen darin einen klaren Verstoß gegen selbige.

In den USA will der neue FCC-Chef deregulieren, sprich (unter anderem ) Netzneutralitätsregeln abschaffen. Das passt in das Bild von Trumps Korporatismus, dem Gegenteil von Marktwirtschaft: Der neue US-Präsident möchte gern selbst festlegen können, wer Gewinner und wer Verlierer ist. Warum Präsident werden und das dann dem Markt überlassen?

Dank der Besonderheiten der Internetwirtschaft sind die Möglichkeiten hier vielfältig. Die mächtigste Industrie der Welt könnte in vier Jahren sehr anders aussehen, und die Welt zwangsläufig mit ihr.

​Vorher auf neunetz.com:

Wie China die erste echte „Mobile-First“-Nation wurde

Für Leute, die das Thema verfolgen, ist nichts neues dabei. Aber Forbes hat die Gründe, warum in China mobile und nur mobile eine Rolle spielt, gut zusammengefasst:

Chinese consumers account for 1.1 billion mobile internet subscriptions, more than 2.5 times those in the U.S, the next largest market. Chinse consumers embraced the ubiquity of the mobile device, using these new gadgets to interact with brands as well as purchase a wide array of goods and services.

In fact, for the first time in 2015, Chinese consumers made more purchases through mobile phones than computers. As of 2016, a whopping 66% of digital purchases were executed through a mobile device, according to the latest data from Euromonitor International. That equates to $450.3 billion in mobile-based purchases, with goods accounting for 70% of those digital purchases.

Ich habe auf Early Moves kurz über die Gründe geschrieben:

The reasons are manyfold: Mobile networks can be faster rolled out than landlines. The smartphone became the first and primary computer for Chinese consumers. In China, most people never experienced the desktop Internet. They only know the mobile Internet. And all this happened in a world where brick-and-mortar retail (as we know it in the Western world) did not had time to establish itself.

Besonders im Vergleich mit westlichen Ländern fällt schön auf, wie China (und Asien allgemein) dank fehlender Laptops und Desktop-Internet direkt zum mobilen Internet übergehen konnte. Der Grund ist, wie so oft, die andere Ausgangslage: Auf der einen Seite noch keine Nutzung (keine Computer, kein Internet vor dem Smartphone), und auf der anderen eine Gewohnheit, die sich ändern muss (vom Laptop zum Smartphone):

In Western markets, people take longer to switch from desktop to mobile. The reason is obvious: It is always easier to compete with non-consumption (no computers before the smartphone in China) than it is to compete against products already in use.

Smartphones (und Tablets) sind in vielen Lebenslagen die besser geeigneten Computer. Man kann auch an der Debatte rund um das iPad1 schön sehen, wie schwer es Leuten fällt, ihre Gewohnheiten nicht nur zu ändern, sondern überhaupt erst einmal zu hinterfragen.

Das ist vollkommen normal. (Warum ohne Not etwas vollkommen Neues erlernen?) Aber es macht auch eine unterschiedliche globale Entwicklung deutlich: Auch Europa und USA gehen von Desktop Richtung Mobile. Aber Asien ist da bereits angekommen. Die zukunftsträchtigen Innovationen folgen entsprechend.


  1. Ja kann man die denn nun zum arbeiten nehmen? Ohne Zugriff auf’s Dateisystem, ohne Trackpad, ich brauche doch xy. Vielleicht könnt ihr das, aber ich brauche für meine echte Arbeit etc. pp. (Anmerkung des Autors: Ich arbeite in 90% der Zeit auf dem iPad.) 

2013: Dobrindt verspricht „bestes Netz der Welt“ Heute: Deutschland europaweit vorletzter Platz

Was die Bundesregierung seit über 10 Jahren in Fragen der Internetanbindung in Deutschland macht: Regelmäßige Lippenbekenntnisse. Dass seit Jahren das Blaue vom Himmel versprochen werden kann während wortwörtlich nichts passiert, ist nur möglich weil es keinen öffentlichen Aufschrei gibt.

Es ist ein harter Wettbewerb, welcher Aspekt davon der erstaunlichste ist.

Taz vom 22. 12. 2013: „Internetminister“ Dobrindts Pläne: Das beste Netz der Welt:

Der Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt (CSU), will die Netzinfrastruktur in Deutschland zur besten der Welt machen. „Deutschland braucht das schnellste und intelligenteste Netz der Welt. Nur so kann der Vorsprung in Technologie und Wohlstand gehalten werden“, sagte Dobrindt der Bild am Sonntag.

EURACTIV.de / Reuters:

Deutschland hinkt beim Digitalausbau heillos hinterher: Im Vergleich mit 28 europäischen Ländern schafft es die mächtigste Volkswirtschaft Europas nur auf den vorletzten Platz. […]

Nach Daten des Infrastrukturbetreibers Akamai sind Bundesbürger über ihre leitungsgebundenen Anschlüsse im Schnitt mit 14,6 Megabit in der Sekunde (Mbit/s) im Internet unterwegs. Im internationalen Vergleich reicht das nur für Platz 26 – noch hinter Litauen. Noch schlechter sieht es bei Glasfaser-Anschlüssen aus, die bis ins Haus reichen. Da nicht einmal zwei von Hundert Haushalten über diese modernen Leitungen verfügen, belegt Deutschland in Europa von 28 Ländern den vorletzten Platz. […]

Nach Berechnungen der Weltbank können Industrienationen ihre Wirtschaftsleistung zusätzlich um 1,2 Prozent ankurbeln, wenn sie die Zahl der Breitbandanschlüsse um zehn Prozent erhöhen. Rasante Online-Anschlüsse verbesserten etwa die Automatisierung in der Fertigung und sorgten dafür, das Berufstätige besser zusammenarbeiten könnten.

(Via Stephan Dörner)

Deutsche Unternehmen sind selbst schuld am „Fachkräftemangel“

Martin Gaedt, Buchautor zum Thema, im Interview mit kununu (der seit 2013 zu Xing gehörenden „größten Arbeitgeber-Bewertungsplattform in Europa“):

Mehr als vier Millionen Deutsche arbeiten im Ausland. Damit sind wir Vize-Europameister direkt hinter Polen. Von allen Deutschen haben 15,1 Prozent einen akademischen Abschluss, von allen im Ausland arbeitenden Deutschen hingegen 84 Prozent. Wer geht, ist gut gebildet und flexibler. Weltweit tobt der sogenannte „war for talents“ um Software-Entwickler, Ärzte und Hoteliers. Warum gehen vier Millionen Fachkräfte weg? Meistens wegen befristeter Verträge oder schlechterer Bezahlung in Deutschland. Fachkräftemangel? Oder mangelhafte Verträge? […]

Fachkräftemangel lenkt von vielen Mängeln ab. Mangel in der Unternehmenskultur. Mangel an magnetischer Anziehungskraft. Mangel an Experimenten in der Personalgewinnung. Mangel an Alleinstellung im Recruiting. Wie erreichen Betriebe die Menschen, die sich gar nicht bewerben? Wer erreicht die passiv suchenden Bewerber, die also nicht aktiv suchen, aber wechseln würden, hätten sie ein attraktives Angebot. Warum pendeln 60 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zur Arbeit, obwohl es überall vor der Haustür einen Teil der 3,6 Millionen Unternehmen gibt. Nehmen Betriebe Quereinsteiger? Querdenker? Regelbrecher? Sortiert das Bewerber-Managementsystem systematisch interessante Persönlichkeiten aus? Besetzen Unternehmen Vollzeitstellen mit zwei Kandidaten in Jobsharing-Tandems? Wer sagt, dass Azubis jung sein müssen? Wer bildet 25-jährige und 45-jährige aus? Es gibt Hunderttausende Studienabbrecher. Das sind perfekte Azubis, die nicht mehr zur Uni abhauen. Wie bleiben Unternehmen im Recruiting auf dem Laufenden? Oder machen sie das Gleiche wie immer?

Der „Fachkräftemangel“, wie er in Deutschland diskutiert wird, schiebt die Schuld weg von den Unternehmen. Die weitverbreitete deutsche Unternehmenskultur (risikoscheu in allen Dimensionen bis hin zum Mausgrau-Fetisch) schlägt auch hier wieder zu. Besonders der erste zitierte Absatz oben legt den Finger in die Wunde.

Lücken & Löcher dank Urheberrecht, heute: Münchner Pinakotheken

Nichts neues: Je moderner, desto größer die Lücken und Löcher dank Urheberrecht allüberall. Am Ende des Tages interessiert sich kein Urheberrechtsmaximalist für die Kultur selbst, nur für die Geldströme (und an zweiter Stelle die Kontrolle) dahinter.

Perlentaucher:

Seit dem 6. April stellen die Münchner Pinakotheken ihre Bilder ins Netz. Allerdings müssen die Künstler doppelt tot sein, nämlich erstens tot und zweitens seit mindestens siebzig Jahre lang tot, sonst wird es für das Museum zu teuer und man darf nur einen Stellvertreter sehen, berichtet Anke Gröner auf ihrem Blog. Schuld daran ist, dass man im Internet, etwa bei der VG Bildkunst, jahreweise für Rechte bezahlen soll, während man im Print nur einmal bezahlt. „Antje Lange, die für die Online-Kommunikation der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen verantwortlich ist, erklärte mir auf Anfrage, wie diese Rechte die Vermittlungsarbeit von Museen erschweren. Ein Beispiel: Auf den Seiten der Pinakotheken kann man durch die** Alte**, die Neue und die der Moderne online von Saal zu Saal bummeln – eine Funktion, die ich sehr gerne mag.“ Nur bei der Moderne geht das allenfalls lückenhaft!

Wenn so etwas für Museen zu teuer ist, dann ist das Indiz genug dafür, dass es hier eine Schieflage gibt. Die Lizenzgebühren könnten günstiger sein.

Die gesetzlichen Schranken könnten dergestalt sein, dass gewisse Insititutionen öffentlichen Interesses anders behandelt werden als andere.

Die Urheberrechtsfristen könnten eine angemessene Länge haben, damit sie uns nicht die komplette Kultur aus unserer Lebenszeit vorenthalten.

BUT ALAS.

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(Ja, es handelt sich oben um ein Zitat, das vor allem selbst ein Zitat ist. Aber wer liest neunetz.com und hat das mitbekommen? Nicht hundert Prozent der Leser. Man kann die Form als Metakommentar lesen, wenn man mag.)