Wie ich über 300 Feeds lese

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Muss. Alles. Lesen. (Foto: totalAldo )

Dieser Artikel ist Teil 1 von 3 der Reihe “Feeds effizient managen”.
Teil 2: Feedreader und Onlinebookmarking verbinden
Teil 3: Pimp my GoogleReader

Ich habe zur Zeit irgendwas um die 350 Feeds abonniert. Und ich bin noch am Munterweiterabonnieren.

Wenn man bedenkt, dass Robert Basic nach eigener Aussage um die 100 Feeds abonniert hat, kommen einem über 300 Feeds sicher viel vor. Und wenn man dann noch dazu nimmt, dass andere deutsche Topblogger im Büro RSS gar nicht erst benutzen , es gar nur anfassen wenn sie unterwegs sind*, dann fragt man sich wie um Himmelswillen kann jemand soviele Feeds verarbeiten und vor allem warum**.

Das fragt allerdings aber auch nur, wer nicht weiß, dass der berühmte US-Blogger Robert Scoble zum Beispiel über 600 Feeds abonniert hat . Die menschliche Schmerzgrenze liegt also höher als der gemeine Feedkonsument annimmt. Da ist noch Luft nach oben, da sind die Unterschiede zwischen den Feedlesern doch frappierend.

[Knoff-Hoff-Show-Moderator] Nun, warum ist das so? [/Knoff-Hoff-Show-Moderator]

Ganz einfach:
1. Das A und O für ungehemmtes Feedkonsumieren ist ein vernünftiges Feedmanagement und
2. der folgende Gedanke:

Ich muss das nicht alles lesen, wenn ich nicht will.

Aber fangen wir vorn an.

 

Feedmanagement

Es wurde schon an vielen Stellen darüber geschrieben: Ordner. Feeds gehören in verschiedene nach Prioritäten gestaffelte Ordner .

Meine Ordner sehen in etwa wie folgt aus:

  • Prio1: Täglich. Die wichtigsten Blogs. Deckt sich ca. zu 2/3 mit den Blogs, die man rechts in der Blogroll findet.
  • Prio2: Ebenfalls wichtige Blogs. Sind aber keine Mustreads mehr.
  • Prio3: Nicht mehr ganz so wichtige Blogs. Werden trotzdem regelmäßig gelesen.
  • Prio4: Ab jetzt wird nur noch gelesen, wenn ich wirklich Zeit und Muse habe. Hier landen auch Feeds mit hohem Output und dementsprechender oft ungünstiger Signal-Noise-Ratio. Scobles Linkblog zum Beispiel. Auch wenn ich hier oft täglich reinschau, weiß ich, dass ich nichts Wesentliches verpass, wenn ich das mal nicht tu.
  • Das Prinzip dürfte jetzt klar sein. Die Ordner gehen runter bis auf prio9. Zwei spezielle Ordner habe ich zusätzlich noch:
  • ego-search: Diverse Feeds, mit denen ich verfolge wer im Web was über neunetz.com und andere Projekte von mir zu sagen hat. Wie man schnell und einfach ein Monitoring einrichtet, habe ich hier beschrieben.
  • Quarantäne : Neue Feedabos landen in der Regel hier und müssen sich für mindestens 2 oder mehr Wochen bewähren. Da Blogger auch eine Woche mal schwächeln können, sollte man ihnen eine gewisse Bewährungszeit gönnen.

Da ich den Googlereader als Feedreader nutze, habe ich beim Benennen meiner Ordner darauf geachtet, dass die alphabetische Sortierung die Ordner so anordnet, wie ich mir das vorstelle (deshalb die Zahlen 1-9, wer mehr Ordner braucht, kann eine 0 vor die 1 setzen oder nach 9 mit 99 usw. weitermachen).

Googlereader hat einen weiteren Vorteil. Die Ordner fungieren gleichzeitig als Tags. Man kann also den abonnierten Feeds mehrere Tags, =Ordner, zuordnen, wenn man das will. Nützlich ist das zum Beispiel, um einige Feeds gleichzeitig nach Prioritäten _und_ Themen zu ordnen. So habe ich zum Beispiel auch einen Ordner ‚Deutsche Blogs‘. Ca. 2/3 der Blogs, die ich lese sind englischsprachig, der übrige deutsche Rest verteilt sich neben ihnen über die verschiedenen Ordner. Will ich nun nur schnell lesen, was in Deutschland los ist, öffne ich diesen Ordner.

Warum ich das so mache: GoogleReader hat großartige Funktionen zum schnellen Feedlesen. Ich öffne oft immer alle ungelesenen Artikel eines Ordners und gehe dann durch die Artikel der Reihenfolge nach. Die hierfür nützlichen Shortcuts und weitere Tips zum GoogleReader findet man bei Lifehacker.

 

Einordnen von Blogs

Welches Blog will ich täglich lesen? Bei Welchem muss ich immer auf dem Laufenden sein?

Diese Fragen sind wichtig beim Einordnen der Blogs. Blogs zu Produktivität zum Beispiel, wie das deutsche imgriff oder die englischsprachigen Blogs lifehack oder Steve Pavlina muss man nicht täglich lesen, ja nicht mal wöchentlich. Es reicht auch, da alle 2 Wochen oder einmal im Monat durchzugehen.

Das ist wichtig: Du stellst Dir Deine Feeds selbst zusammen, Du entscheidest auch wann und ob Du sie liest. Du entscheidest selbst, mit welcher Frequenz Du welchen Feed liest. It’s that simple, really.

 

Nichts ist in Stein gemeißelt

Prinzipiell ist kein Blog im jeweiligen Ordner festgewachsen. Im Gegenteil: Ich verändere permanent die Verteilung je nach aktuellem Gemütszustand und Interessensentwicklung. Auch wenn ein Blog sich zum Schlechten entwickelt, z.B. massiv Off-topic-Postings veröffentlicht, kann es sich sehr schnell nach hinten verschieben. Man muss das Ganze als etwas Organisches sehen, das sich ständig verändert. Es bewegt sich in Abhängigkeit des geposteten Contents und der eigenen Interessenentwicklung.

Wenn man feststellt, dass die Artikel eines Blogs einem über Monate nichts bringen, sollte man auch keine Angst haben es zu löschen. Wenn das Blog wieder gut wird, wird man irgendwann in der Regel sowieso wieder drüber stolpern. Bevor ich aber lösche, verschiebe ich Feeds lieber innerhalb der Ordner. Zum Einen ist die Hemmschwelle hierfür geringer, was schneller zu einer optimaleren Verteilung der Feeds führt. Zum Anderen überlässt man es so nicht dem Zufall, Feeds wiederzufinden, die man schon mal entdeckt hat und die vielleicht nur einen temporären Durchhänger haben.

 

Noch mehr Möglichkeiten den eigenen Feedkonsum zu optimieren

  • Manchmal will man nur einen kleinen Teil von einem Feed lesen auf diesen aber nicht verzichten, der Rest aber nervt. Besonders bei Feeds von großen Newsseiten, die sich dabei gar nichts gedacht haben, kann das nerven. Für solche und andere Spezialfälle bietet es sich an Feeds zu remixen. Wie man Feeds auf einfache Art remixt, habe ich hier ausführlich beschrieben .

  • Nicht jedermanns Sache: Aber ich habe meine Feeds auf zwei Reader aufgeteilt mittlerweile. Bei Googlereader finde ich alle Techblogs. Alles was ich als nützlich und wichtig erachte. Auf Netvibes habe ich alle Blogs, die ich sonst noch so lese. Auf GoogleReader habe ich aktuell 266 Feedabonnements, auf Netvibes um die 100.
    Ich bilde mir ein, mit der Aufteilung Procrastination zu minimieren. Ich Naivling.

 

Feedreadervarianten

Es gibt verschiedene Varianten von Feedreadern. Welche man bevorzugt, ist hauptsächlich Geschmackssache.

Im River of news werden die Nachrichten chronologisch geordnet nach ihrem Veröffentlichungszeitpunkt angezeigt. In der Regel fängt man ‚oben‘ bei den jüngsten Artikeln an. Diese Feedreader sind in der Regel klassisch dreigeteilt und erinnern an Emailprogramme. Die bekanntesten Webbasierten sind Bloglines und GoogleReader .

Meine persönliche Meinung ist, dass der GoogleReader der optimale Reader für exzessives Feedkonsumieren ist. Nicht umsonst nutzen wahre Newsfreaks wie Scoble und Gina Trapani von Lifehacker den GoogleReader und empfehlen ihn geradezu religiös weiter.

Seit geraumer Zeit verbreiten sich auch immer mehr grafische Feedreader, die mit speziellen Modulen noch sehr viel mehr können als nur Feeds darzustellen. Ihr Vorteil liegt daneben in einem gewissen Zeitungsfeeling, das sie beim Nutzer verbreiten. Die bekanntesten dürften Netvibes und Pageflakessein.

Eine Übersicht zu Feedreadern hier.

Eine Übersicht zu allem, was auch nur im Entferntesten mit RSS zu tun hat, findet man hier.

 

Und zum Abschluss nochmal, weil’s so wichtig ist:

! Ich muss das nicht alles lesen, wenn ich nicht will. !

‚Mark as read‘ ist Dein Freund. Dein geduldiger, nachsichtiger, sehr kluger Freund, der mit Dir zusammen dem ‚x unread items‘-Nerd den Stinkefinger zeigt. Und womit? Mit Recht.

Denn vergiss eins nicht: Wenn Du das (Luxus-)Problem hast, beim Feedlesen nicht hinterherzukommen, wenn Du das Wort ‚Informationoverkill‘ jedes Jahr erneut zum Wort des Jahres wählen willst, dann liest Du jetzt schon mehr und weißt mehr als 90% der Restbevölkerung. Unabhängig davon, ob Du ab und an es mal schleifen lässt und einfach, you know, rausgehst.

Auch hier kann ich den GoogleReader nur loben. Der zählt unread items nämlich nur bis 100+. Mehr muss man auch nicht wissen und sehen.

Zusätzlich helfen auch Aggregatoren wie Rivva und Blogscout in Deutschland, einen schnellen Überblick über das Geschehen zu behalten. Je nach Interessenlage sind im englischsprachigen Raum Techmeme und seine Schwesterseiten unerlässlich.

Für alles andere gibt’s Google News. (Habe auch von bizarren Augenzeugenberichten gehört, in denen Papiererzeugnisse erwähnt werden. Kann das aber nicht verifizieren.)

 

Slowing down once in a while ain’t the worst idea ever. Zwingt einen ja niemand.

 

weitere Seiten zum effizienten Organisieren des Feedreaders

Robert Scoble erklärt in einem Videointerview, wie er seine 600+ Feeds liest .

imgriff erklärt wie man den RSS-Reader ausmistet und ordnet

 

Willkommen in der Informationsgesellschaft! :)

 

 

—-
*ernsthaft, werden, statt den Newsticker im Auge zu behalten, heute die Nachrichtenagenturen beim Handelsblatt persönlich angerufen? Weil man die Stimmen der Nachrichtenagenturmitarbeiter (stehen in diesem äußerst hinkenden Vergleich für das Design der Seiten) so gern hört?

** Weil ich es kann.

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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