Großartiges Blog: Techdirt

Mir geht das Echochamber-Getröte auf Techcrunch und Co. zunehmend auf den Keks. Besonders seit TC zu gefühlten 90% von mir völlig unbekannten Praktikanten gefüllt wird mit Artikeln, bei denen sich mir die Fußnägel senkrecht aufstellen. (Tim O’Reilly hat neulich erst einen Artikel von RWW auseinandergenommen und in diesem Zusammenhang zu recht auf das teilweise starke Gefälle in der Textqualität zwischen den Bloggründern und den neu hinzugekommenen Autoren hingewiesen.)

Anywhoo, seit geraumer Zeit bin ich im Gegensatz dazu zunehmend begeistert von Techdirt. Mit knapp 800.000(!) RSS-Abonnenten nicht gerade klein, war das Blog bis vor ein paar Monaten eigenartigerweise überhaupt nicht auf meinem Radar. Jetzt zählt Techdirt bereits zu meinen absoluten Lieblings-Anlaufstellen, und landet ziemlich oft gesharet in meinen GoogleReader Shared Items.

Mike Masnick, einer der Gründer, setzt sich intensiv und kompetent mit Dingen wie DRM, dem Patentsystem und den Gesetzen der Internetwirtschaft auseinander.

Als Beispiel: wie er vor geraumer Zeit einen Artikel von Alex Iskold auf ReadWriteWeb (das neben Techdirt zu meinen Lieblingsblogs zählt) über die Free Economy (kostenloses Anbieten von Produkten, siehe zb Freemium) auseinandernimmt und ausführt, dass gesamtgesellschaftlich betrachtet das kostenlose Verbreiten von immateriellen Gütern eine gute Sache ist:

Even worse, Iskold fails to show how it’s actually bad on a larger scale. What he does is show how it’s bad on a micro scale for certain companies. But, you could make that argument for anything. Automobiles were „bad“ for buggy whips. The printing press was bad for scribes. The telephone was bad for telegraph operators. Yet, on a larger economic scale, all of these things opened up more opportunities to the economy. The same is true with the economics that are being discussed these days. Recognizing the inevitability of infinite goods to be offered for free increases the resource pool and opens up many new opportunities to provide goods and services — and to profit from them.

Und jetzt wieder Iskold über das Patentsystem, und Masnicks Reaktion (Masnick ist bekennender Gegner des Patentsystems):

Oddly, towards the end, Iskold finally admits what he calls „the biggest irony in this patent debacle“: it actually benefits consumers. That’s not „irony.“ That’s correct. Competition benefits the customer. That’s how it’s supposed to work. So what’s the problem?

Well, according to Iskold, this isn’t sustainable: „To not have patents at all means that at the end of the day big companies will always absorb all the best innovation for free.“ But, again, as we already pointed out, that’s simply not true. Sometimes big companies win, but quite often, they do not. Big companies are slow and lumbering. Small companies are faster and more nimble and can often out innovate the slow companies with legacy issues. Competition is a good thing, Alex. Don’t fear it.

Was ich eigentlich sagen wollte: Leseempfehlung! Bzw. Abonnierempfehlung (Techdirt-Feed)!

Mehr zum Medienwandel

Axel Springer ist schon lange kein Presseverlag mehr

Reuters über das Jahresergebnis für 2017 von Axel Springer:

Das digitale Geschäft steuerte im vergangenen Jahr bereits 80 Prozent des Gewinns bei und rund 72 Prozent des Konzernumsatzes. Größter Wachstumstreiber war erneut das Geschäft mit Job-, Immobilien- und Autoportalen. Auf dieses sogenannte Rubrikengeschäft entfielen rund 64 Prozent des Ebitda.

Angesichts dieser Zahlen wird es langsam bizarr, dass (beispielsweise) Reuters noch vom „Axel-Springer-Verlag“ spricht. Weiterlesen

Was uns Facebooks gescheitertes Zwei-Feeds-Experiment über das Distributionsdilemma von Massenmedien lehrt

Facebook hat erkannt, dass die Leute lieber nur einen gemeinsamen Feed statt zwei separate Feeds -einen für Freunde und Familie, einen für Medien- haben.

Aus dem Facebook Newsroom:

To understand if people might like two separate feeds, we started a test in October 2017 in six countries. Weiterlesen

Warum Apples neues Podcastanalyse-Tool wichtig ist

Apple hat letzte Nacht das angekündigte Podcast-Analysetool gestartet. Recode:

For instance, podcast creators can now see (aggregated and anonymized, not device- or user-specific) data about when listeners stopped listening to a particular episode.

Warum das wichtig ist: Bis dato gab es für Podcasts nur Download-Daten, keine Informationen zum Hörverhalten. Sprich: Wer eine MP3-Datei herunterlädt, wird mangels Alternativen als jemand gezählt, die die komplette Folge angehört hat. Weil Podcasts auf RSS basieren und iTunes das größte und wichtigste Podcast-Verzeichnis ist, auf das alle Podcast-Apps zurückgreifen, ist allein Apple in der Lage detailliertere Informationen auf signifikanter Datenbasis zu erfassen. Mehr/andere Informationen über das Medienkonsumverhalten verändert zwangsläufig das Verhältnis zwischen Werbekunden und Medium. Podcasts boomen seit einigen Jahren als Medium seit es mit mobilen Apps bequem wurde, Podcasts zu hören.

Mehr auf Recode: Weiterlesen

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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