Backward ever, forward never

Wer noch Zweifel daran hat, dass weite Teile der Journalismusbranche das Netz nicht überleben werden, sollte sich folgenden Kommentarstrang durchlesen, in dem sich (offenbar) mehrere Journalisten der WAZ-Gruppe zu Wort melden:

WAZ Protestblog » Blog Archive » Kampf ums Lokale geht weiter

Kleine Kostprobe:

Die Onliner nehmen es bedenkenlos in Kauf, dass Zeitungen und mit ihnen Zeitungsjobs dabei draufgehen, wenn sie Print-Inhalte komplett & kostenlos absaugen und gratis ins Netz stellen.
“Tradition ist kein Geschäftsmodell”, predit ein engagierter Ober-Blogger und Netz-Gläubiger wie Thomas Knüwer (Handelsblatt) immer.
Am meisten Sinn macht es für Tageszeitungsverlage aus meiner Sicht wohl, wenn sie nur die reinen Nachrichten in ihre Internet-Auftritte stellen und dabei stets auf ausführlichere Texte im gedruckten Blatt zu verweisen. Möglich ist auch: Lediglich Abonnenten kriegen den vollen Durchklick.
Alles andere ist und bleibt eine die Zeitung gefährdende Verschwendung von teuer erarbeiteten Print-Inhalten.

Auch die Flip-Kamera-Diskussion dürfte symptomatisch für den Umbruch im Journalismus sein.

Ich weiß nicht, was Borchert bei DerWesten.de intern richtig und was sie falsch gemacht hat, ich würde aber mal schätzen, dass sie wohl nie eine Chance auf echten Erfolg hatte. Nicht mit Mitarbeitern, die bereits das Beackern des Marktes selbst als Fehler ansehen (Ich hoffe, von denen sitzt niemand im Wirtschafts-Ressort.).

Wie Pferdekutscher, die sich über den Lärm der Automobile aufregen und das alles für grundsätzlich sinnlos halten. Mit den Pferden ist doch schließlich alles in Ordnung. Mit solchen Mitarbeitern hätte Ford kein Jahr überlebt.

Es ist sicher keine einfache Zeit. Aber wie man ernsthaft die Weiterfahrt diskutieren kann, während sich links und rechts die wenigen Rettungsboote füllen und der Eisberg bereits über einem ist, bleibt mir rätselhaft.

(via Meedia)

(„Tradition ist kein Geschäftsmodell“ stammt übrigens nicht von Knüwer, sondern iirc von Clay Shirky.)

Mehr zum Medienwandel

Was uns Facebooks gescheitertes Zwei-Feeds-Experiment über das Distributionsdilemma von Massenmedien lehrt

Facebook hat erkannt, dass die Leute lieber nur einen gemeinsamen Feed statt zwei separate Feeds -einen für Freunde und Familie, einen für Medien- haben.

Aus dem Facebook Newsroom:

To understand if people might like two separate feeds, we started a test in October 2017 in six countries. Weiterlesen

Warum Apples neues Podcastanalyse-Tool wichtig ist

Apple hat letzte Nacht das angekündigte Podcast-Analysetool gestartet. Recode:

For instance, podcast creators can now see (aggregated and anonymized, not device- or user-specific) data about when listeners stopped listening to a particular episode.

Warum das wichtig ist: Bis dato gab es für Podcasts nur Download-Daten, keine Informationen zum Hörverhalten. Sprich: Wer eine MP3-Datei herunterlädt, wird mangels Alternativen als jemand gezählt, die die komplette Folge angehört hat. Weil Podcasts auf RSS basieren und iTunes das größte und wichtigste Podcast-Verzeichnis ist, auf das alle Podcast-Apps zurückgreifen, ist allein Apple in der Lage detailliertere Informationen auf signifikanter Datenbasis zu erfassen. Mehr/andere Informationen über das Medienkonsumverhalten verändert zwangsläufig das Verhältnis zwischen Werbekunden und Medium. Podcasts boomen seit einigen Jahren als Medium seit es mit mobilen Apps bequem wurde, Podcasts zu hören.

Mehr auf Recode: Weiterlesen

Die Audible-Podcasts und die Abhängigkeit der deutschen Medien von Mittelsmännern

Audible-Podcasts

Mittelsmann errette uns.

Jens Twiehaus gestern auf turi2: Weiterlesen

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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