„Es gibt einen Unterschied zwischen Verlagen und Journalismus.“

Lesenswerter Artikel über den Medienwandel im Freitag:

Es gibt einen Unterschied zwischen Verlagen und Journalismus. Verlage gab es lange bevor es professionelle Journalisten gab und lange, bevor an Demokratie im modernen Sinn hierzulande überhaupt jemand dachte.

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Auch die Verbindung von Journalismus und Demokratie ist keine zwangsläufige. Wichtiger als Journalismus ist für die Demokratie eine unbeschränkte und kritische Öffentlichkeit. Die aber ist im Netz aktiver denn je, und durch Aufmerksamkeitskanonen wie Twitter und soziale Netzwerke prächtig mobilisierbar. Das Netz macht die Kommunikation sogar demokratischer, denn nun braucht man keine Sprachrohre mehr, wie früher, als noch nicht jeder veröffentlichen konnte. Dass die Öffentlichkeit im Netz stärker fragmentiert ist, ist eine Parallele zur gesellschaften Entwicklung.

Allein dem Folgenden kann ich mich nicht ganz anschliessen:

Allein darauf zu vertrauen, dass Markmechanismen eine Antwort geben, wird jedoch auch nicht weiterführen, denn sollte der Journalismus tatsächlich eine gesellschaftliche Funktion haben, dann geht es um mehr als um Angebot und Nachfrage.

Wenn man sich Techmeme anschaut, das gleichzeitig die Regelung des Wandels durch den Markt und die Blaupause einer Vermarktlichung vorher stärker hierarchisch abgedeckter Berichterstattung darstellt, dann sieht man, dass das Ergebnis einer neuartigen Berichterstattung zwar nicht perfekt, aber um ein Vielfaches besser als die vorherige Variante ist.

Das Ergebnis wird natürlich von Themengebiet zu Themengebiet variieren. Aber ich vermute, dass nur wenige, sehr unlukrative Ausnahmen künftig nicht abgedeckt werden, wenn man es „dem Markt“ überlässt. Der Grund ist schlicht folgender, dass sich online in vielen Bereichen Angebot und Nachfrage mit geringeren Transaktionskosten treffen können als im analogen Pendant, wenn es um digitalisierbare Güter geht (wie zum Beispiel Nachrichten..). (Und natürlich wird auch im Zeitalter der Massenmedien und Printtageszeitungen nicht jedes Thema so abgedeckt, wie es eigentlich nötig wäre.)

Das alles bedeutet aber nicht, dass die nächsten Jahre schmerzfrei für die Betroffenen werden.

Mehr zum Medienwandel

Axel Springer ist schon lange kein Presseverlag mehr

Reuters über das Jahresergebnis für 2017 von Axel Springer:

Das digitale Geschäft steuerte im vergangenen Jahr bereits 80 Prozent des Gewinns bei und rund 72 Prozent des Konzernumsatzes. Größter Wachstumstreiber war erneut das Geschäft mit Job-, Immobilien- und Autoportalen. Auf dieses sogenannte Rubrikengeschäft entfielen rund 64 Prozent des Ebitda.

Angesichts dieser Zahlen wird es langsam bizarr, dass (beispielsweise) Reuters noch vom „Axel-Springer-Verlag“ spricht. Weiterlesen

Was uns Facebooks gescheitertes Zwei-Feeds-Experiment über das Distributionsdilemma von Massenmedien lehrt

Facebook hat erkannt, dass die Leute lieber nur einen gemeinsamen Feed statt zwei separate Feeds -einen für Freunde und Familie, einen für Medien- haben.

Aus dem Facebook Newsroom:

To understand if people might like two separate feeds, we started a test in October 2017 in six countries. Weiterlesen

Warum Apples neues Podcastanalyse-Tool wichtig ist

Apple hat letzte Nacht das angekündigte Podcast-Analysetool gestartet. Recode:

For instance, podcast creators can now see (aggregated and anonymized, not device- or user-specific) data about when listeners stopped listening to a particular episode.

Warum das wichtig ist: Bis dato gab es für Podcasts nur Download-Daten, keine Informationen zum Hörverhalten. Sprich: Wer eine MP3-Datei herunterlädt, wird mangels Alternativen als jemand gezählt, die die komplette Folge angehört hat. Weil Podcasts auf RSS basieren und iTunes das größte und wichtigste Podcast-Verzeichnis ist, auf das alle Podcast-Apps zurückgreifen, ist allein Apple in der Lage detailliertere Informationen auf signifikanter Datenbasis zu erfassen. Mehr/andere Informationen über das Medienkonsumverhalten verändert zwangsläufig das Verhältnis zwischen Werbekunden und Medium. Podcasts boomen seit einigen Jahren als Medium seit es mit mobilen Apps bequem wurde, Podcasts zu hören.

Mehr auf Recode: Weiterlesen

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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