Vorsitzender der FDP-Kommission für Internet und Medien zur Tagesschau-App-Debatte

Hans-Joachim Otto, Bundestagsabgeordneter, Vorsitzender der FDP-Kommission für Internet und Medien und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, auf Carta über eine Tagesschau-App für Smartphones und Tablets und warum sie seiner Meinung nach nicht sein darf:

Kurzum: öffentlich-rechtlich finanzierte und für den Nutzer kostenlose Applikationen führen zu Wettbewerbsverzerrungen gegenüber privaten Anbietern. Und sie können dadurch die deutsche Medienlandschaft, vor allem aber die für unsere Demokratie unverzichtbare Medienvielfalt, insgesamt beeinträchtigen.

[..]

Man stelle sich einmal vor, ein öffentlich-rechtliches Rundfunkunternehmen hätte vor 20 Jahren angefangen, eine “kostenlose” qualitativ hochwertige Tageszeitung anzubieten. Ob wir dann noch über einen so vielfältigen Zeitungsmarkt wie heute verfügen würden, darf man sicherlich bezweifeln. Denn Zeitungs- und Zeitschriftenverlage verdienten zumindest früher ihr Geld ausschließlich mit dem Verkauf ihrer Druckerzeugnisse und mit Werbung – und wenn es eine kostenlose Zeitung gegeben hätte, wären viele kostenpflichtige Zeitungen schlicht in den Regalen liegen geblieben. Das hätte das Aus für nicht wenige Anbieter bedeutet.

Ein zumindest eigenwilliges Argument. Mit diesem Argument liese sich auch gegen ARD und ZDF argumentieren, um das Privatfernsehen zu schützen. Außerdem liese sich damit gegen das komplette Online-Angebot der Öffentlich-Rechtlichen argumentieren. (Das Bemerkenswerte an nahezu allen Debatten rund um das iPad ist die Tatsache, dass viele so tun, als würde das Tablet keinen Browser besitzen.)

Außerdem bekommt man die Vorstellung, dass Otto für Medien online genau ein Geschäftsmodell sieht: die komplette Übersetzung des analogen Geschäfts in’s Digitale, flankiert mit Bezahlschranken. Und auch hier wieder die vom FDP-Politiker wiederholte typische Verleger-Sicht, dass die Presseverlage für ihre eigenen Internetangebote nicht Mehrwert schaffen müssen, sondern die Öffentlich-Rechtlichen notfalls abbauen müssen, um die privaten Angebote attraktiv zu machen.

Das ist für den Vorsitzenden der FDP-Kommission für Internet und Medien zu wenig.

Oder wie es ein Kommentator auf Carta zusammenfasst:

Für den Vorsitzenden der FDP-Kommission für Internet und Medien ist ein derartiger Beitrag schlichtweg peinlich. Man hat den Eindruck, dass Herr Otto noch nie in den Android Market geschaut hat. Sonst wüsste er, dass es sowohl für private wie für öffentlich-rechtliche Newsportale dort Apps dutzendweise gibt – und zwar mit gewaltiger Redundanz. Warum? Weil diese Apps eben häufig nicht von den Portalen selbst zur Verfügung gestellt werden sondern von Dritten progammiert werden.

Mehr zum Medienwandel

Axel Springer ist schon lange kein Presseverlag mehr

Reuters über das Jahresergebnis für 2017 von Axel Springer:

Das digitale Geschäft steuerte im vergangenen Jahr bereits 80 Prozent des Gewinns bei und rund 72 Prozent des Konzernumsatzes. Größter Wachstumstreiber war erneut das Geschäft mit Job-, Immobilien- und Autoportalen. Auf dieses sogenannte Rubrikengeschäft entfielen rund 64 Prozent des Ebitda.

Angesichts dieser Zahlen wird es langsam bizarr, dass (beispielsweise) Reuters noch vom „Axel-Springer-Verlag“ spricht. Weiterlesen

Was uns Facebooks gescheitertes Zwei-Feeds-Experiment über das Distributionsdilemma von Massenmedien lehrt

Facebook hat erkannt, dass die Leute lieber nur einen gemeinsamen Feed statt zwei separate Feeds -einen für Freunde und Familie, einen für Medien- haben.

Aus dem Facebook Newsroom:

To understand if people might like two separate feeds, we started a test in October 2017 in six countries. Weiterlesen

Warum Apples neues Podcastanalyse-Tool wichtig ist

Apple hat letzte Nacht das angekündigte Podcast-Analysetool gestartet. Recode:

For instance, podcast creators can now see (aggregated and anonymized, not device- or user-specific) data about when listeners stopped listening to a particular episode.

Warum das wichtig ist: Bis dato gab es für Podcasts nur Download-Daten, keine Informationen zum Hörverhalten. Sprich: Wer eine MP3-Datei herunterlädt, wird mangels Alternativen als jemand gezählt, die die komplette Folge angehört hat. Weil Podcasts auf RSS basieren und iTunes das größte und wichtigste Podcast-Verzeichnis ist, auf das alle Podcast-Apps zurückgreifen, ist allein Apple in der Lage detailliertere Informationen auf signifikanter Datenbasis zu erfassen. Mehr/andere Informationen über das Medienkonsumverhalten verändert zwangsläufig das Verhältnis zwischen Werbekunden und Medium. Podcasts boomen seit einigen Jahren als Medium seit es mit mobilen Apps bequem wurde, Podcasts zu hören.

Mehr auf Recode: Weiterlesen

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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