Exportschlager Leistungsschutzrecht: Nach Österreich jetzt auch Forderungen in der Schweiz

Nach den Presseverlegern aus Österreich sind jetzt auch Schweizer Presseverleger auf den Geschmack guten deutschen Leistungsschutzrechts für Presseverlage gekommen. Der Schaffhauser Verleger Norbert Neininger, Präsidiumsmitglied des Verbandes Schweizer Presse, in der NZZ:

Da das derzeitige Urheberrecht die neusten Entwicklungen nicht umfasst, muss ein sogenanntes Leistungsschutzrecht eingeführt werden, das sicherstellt, dass die Medienunternehmen ein exklusives Recht an ihren Inhalten auch im Internet haben und weder Artikel noch Auszüge daraus ungefragt (und entschädigungslos) verwendet werden dürfen.

Ich kenne das Schweizer Urheberrecht nicht, bezweifle aber, dass der Schutz vor unerlaubter, entschädigungsloser Verwendung von Artikeln darin nicht abgedeckt wird.

Neininger weiter:

Für den Verband der Schweizer Presse hat die Einführung eines Leistungsschutzrechts nach deutschem Vorbild Priorität, die entsprechenden Grundlagen dafür sind geschaffen.

[..]

Zu den künftigen Rahmenbedingungen, welche die für die direkte Demokratie notwendige publizistische Qualität der Schweizer Zeitungen erhalten, gehört ein solides Leistungsschutzrecht. Damit werden den Medienunternehmen die Rechte an ihren Inhalten auch im Internet garantiert. Es ist ihnen dann freigestellt, ob sie sich – mit allen finanziellen und politischen Konsequenzen – für Paid Content, Gratismodelle oder Teile davon entscheiden.

Fraglich bleibt, warum Neininger impliziert, die Presseverlage hätten erst mit dem geforderten Recht die Wahlmöglichkeit, verschiedene Geschäftsmodelle im Netz zu verfolgen.

Neininger sammelt Reaktionen auf den Artikel in seinem Blog mit Screenshot-Auszügen. In der Regel findet man dort abfotografierte Ausschnitte aus Tageszeitungen und Printmagazinen.

Die NZZ selbst plant, ihre Bezahlschranke auszubauen.

Bisher:

Mehr zum Medienwandel

Axel Springer ist schon lange kein Presseverlag mehr

Reuters über das Jahresergebnis für 2017 von Axel Springer:

Das digitale Geschäft steuerte im vergangenen Jahr bereits 80 Prozent des Gewinns bei und rund 72 Prozent des Konzernumsatzes. Größter Wachstumstreiber war erneut das Geschäft mit Job-, Immobilien- und Autoportalen. Auf dieses sogenannte Rubrikengeschäft entfielen rund 64 Prozent des Ebitda.

Angesichts dieser Zahlen wird es langsam bizarr, dass (beispielsweise) Reuters noch vom „Axel-Springer-Verlag“ spricht. Weiterlesen

Was uns Facebooks gescheitertes Zwei-Feeds-Experiment über das Distributionsdilemma von Massenmedien lehrt

Facebook hat erkannt, dass die Leute lieber nur einen gemeinsamen Feed statt zwei separate Feeds -einen für Freunde und Familie, einen für Medien- haben.

Aus dem Facebook Newsroom:

To understand if people might like two separate feeds, we started a test in October 2017 in six countries. Weiterlesen

Warum Apples neues Podcastanalyse-Tool wichtig ist

Apple hat letzte Nacht das angekündigte Podcast-Analysetool gestartet. Recode:

For instance, podcast creators can now see (aggregated and anonymized, not device- or user-specific) data about when listeners stopped listening to a particular episode.

Warum das wichtig ist: Bis dato gab es für Podcasts nur Download-Daten, keine Informationen zum Hörverhalten. Sprich: Wer eine MP3-Datei herunterlädt, wird mangels Alternativen als jemand gezählt, die die komplette Folge angehört hat. Weil Podcasts auf RSS basieren und iTunes das größte und wichtigste Podcast-Verzeichnis ist, auf das alle Podcast-Apps zurückgreifen, ist allein Apple in der Lage detailliertere Informationen auf signifikanter Datenbasis zu erfassen. Mehr/andere Informationen über das Medienkonsumverhalten verändert zwangsläufig das Verhältnis zwischen Werbekunden und Medium. Podcasts boomen seit einigen Jahren als Medium seit es mit mobilen Apps bequem wurde, Podcasts zu hören.

Mehr auf Recode: Weiterlesen

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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