Auftakt: NDR will gegen Depub.org vorgehen

NDR-Sprecherin Iris Bents gegenüber Carta:

Der NDR wird mit allen juristischen Mitteln gegen Depub.org vorgehen, soweit dies möglich ist.

Carta weiter:

Aus Sicht des NDR stelle Depub.org einen eindeutigen Verstoß gegen das Urheberrecht dar, so Bents.

Depub.org bietet das gesamte Tagesschau.de-Archiv an, also auch die aufgrund des 12. Rundfunkstaatsvertrags mittlerweile gelöschten Artikel.

Der zumindest für mich sympathische Disclaimer auf Depub.org zeigt den Interessenskonflikt auf:

Zum Schluss noch ein kleiner Hinweis: Wir sind uns bewusst, dass die Urheber- und Nutzungsrechte für die Artikel und für die Mediatheken beim jeweiligen Autor bzw. bei tagesschau.de liegen. Für uns ist die freie Verfügbarkeit gebührenfinanzierter Inhalte allerdings wichtiger. So einfach ist das manchmal. :-)

Kai Biermann fasst auf Zeit Online zusammen, was viele denken dürften:

Rechtlich ist das illegal. Sachlich aber ist es zivile Courage.

Illegal, weil der von gewählten Abgeordneten in einem demokratischen Prozess beschlossene Rundfunkstaatsvertrag das sogenannte Depublizieren vorsieht und zum Recht erhebt. Illegal auch, weil die Aktion die Urheberrechte von Autoren verletzt.

Zivilcourage, weil sie – um ein unabhängiges und frei zugängliches Informationsportal namens Wikipedia zu zitieren – bedeutet, dass jemand „ohne Rücksicht auf sich selbst, soziale Werte oder die Werte der Allgemeinheit vertritt“.

Und das tut depub.org. Denn das Depublizieren folgt allein den Interessen der Wirtschaft und nicht denen der Öffentlichkeit.

Ich vermute stark, dass das noch eine Dynamik annehmen wird, die einige Personen in höheren Positionen öffentlich-rechtlicher Medien als auch privatwirtschaftlicher Medien überraschen wird.

Beim Aushandeln des 12. Rundfunkstaatsvertrags wurde der Bürger vergessen. Der meldet sich jetzt zu Wort.

(via netzpolitik.org)

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Warum das wichtig ist: Bis dato gab es für Podcasts nur Download-Daten, keine Informationen zum Hörverhalten. Sprich: Wer eine MP3-Datei herunterlädt, wird mangels Alternativen als jemand gezählt, die die komplette Folge angehört hat. Weil Podcasts auf RSS basieren und iTunes das größte und wichtigste Podcast-Verzeichnis ist, auf das alle Podcast-Apps zurückgreifen, ist allein Apple in der Lage detailliertere Informationen auf signifikanter Datenbasis zu erfassen. Mehr/andere Informationen über das Medienkonsumverhalten verändert zwangsläufig das Verhältnis zwischen Werbekunden und Medium. Podcasts boomen seit einigen Jahren als Medium seit es mit mobilen Apps bequem wurde, Podcasts zu hören.

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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