Medienwandel: Alte Kostenstrukturen treffen auf veränderte Märkte

Ken Doctor, Autor von Newsonomics, schreibt im Nieman Journalism Lab über den Medienwandel von Print zu Digital. Online herrschen andere Kostenverhältnisse:

Take this one: 4.1 percent. That’s what Warren Webster, president of AOL’s newly expanding Patch, recently told me it costs his company to match the content production of a “like-sized newspaper.” Meaning that Patch can produce the same volume of content (quality, pro and con, in the eye of the beholder) for 1/25 the cost of the old Big Iron newspaper company, given its centralized technology and finance and zero investment in presses and local office space. (Staffers work out of their homes.)

That’s an astounding number, which even if tripled, gives a legacy publisher or editor pause.

Wo liegt ein Problem bei den Presseverlagen? Bei den Kostenstrukturen, die noch auf veraltete Verhältnisse ausgerichtet sind:

As one publisher told me: “There are still way too many managers around, managing lots fewer people and lots less money.”

Auf das Folgende sind viele nicht vorbereitet, vor allem nicht die deutschen Presseverlage (und auch nicht die meisten Beobachter):

And, at this point in the digital evolution, there’s simply nowhere near the money necessary to pay for big newsrooms.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass das mehr oder weniger so bleiben wird. Damit ist natürlich nicht der Journalismus am Ende, sondern ‚lediglich‘ dessen Herstellungsprozess, wie man ihn aus dem industriellen Zeitalter kennt. Oder anders gesagt: Die journalistischen Produktionsprozesse ändern sich. Was auch bedeutet, dass alte Strukturen in ihrer konkreten Form nicht mehr unbedingt benötigt werden.

Die Zukunft ist ungewiss (und ganz sicher wohl nicht wie die Vergangenheit, nur in digital):

There’s no template, though, and no formulae that anyone can share. The transition road is too dark and bumpy at this point, without map or GPS.

Das heißt: Experimente sind gefragt.

Mehr zum Medienwandel

Axel Springer ist schon lange kein Presseverlag mehr

Reuters über das Jahresergebnis für 2017 von Axel Springer:

Das digitale Geschäft steuerte im vergangenen Jahr bereits 80 Prozent des Gewinns bei und rund 72 Prozent des Konzernumsatzes. Größter Wachstumstreiber war erneut das Geschäft mit Job-, Immobilien- und Autoportalen. Auf dieses sogenannte Rubrikengeschäft entfielen rund 64 Prozent des Ebitda.

Angesichts dieser Zahlen wird es langsam bizarr, dass (beispielsweise) Reuters noch vom „Axel-Springer-Verlag“ spricht. Weiterlesen

Was uns Facebooks gescheitertes Zwei-Feeds-Experiment über das Distributionsdilemma von Massenmedien lehrt

Facebook hat erkannt, dass die Leute lieber nur einen gemeinsamen Feed statt zwei separate Feeds -einen für Freunde und Familie, einen für Medien- haben.

Aus dem Facebook Newsroom:

To understand if people might like two separate feeds, we started a test in October 2017 in six countries. Weiterlesen

Warum Apples neues Podcastanalyse-Tool wichtig ist

Apple hat letzte Nacht das angekündigte Podcast-Analysetool gestartet. Recode:

For instance, podcast creators can now see (aggregated and anonymized, not device- or user-specific) data about when listeners stopped listening to a particular episode.

Warum das wichtig ist: Bis dato gab es für Podcasts nur Download-Daten, keine Informationen zum Hörverhalten. Sprich: Wer eine MP3-Datei herunterlädt, wird mangels Alternativen als jemand gezählt, die die komplette Folge angehört hat. Weil Podcasts auf RSS basieren und iTunes das größte und wichtigste Podcast-Verzeichnis ist, auf das alle Podcast-Apps zurückgreifen, ist allein Apple in der Lage detailliertere Informationen auf signifikanter Datenbasis zu erfassen. Mehr/andere Informationen über das Medienkonsumverhalten verändert zwangsläufig das Verhältnis zwischen Werbekunden und Medium. Podcasts boomen seit einigen Jahren als Medium seit es mit mobilen Apps bequem wurde, Podcasts zu hören.

Mehr auf Recode: Weiterlesen

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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