Commentarist beendet Angebot, nachdem Verlage mit rechtlichen Schritten gedroht haben

Commentarist, ein innovativer Nachrichten-Aggregator, der die Autoren in den Mittelpunkt stellt, ist kurz nach dem Start bereits wieder offline. Auf der Site heißt es, zwei deutsche Presseverlage haben mit rechtlichen Schritten gedroht:

Wir haben einen fulminanten Start erlebt. Commentarist ist auf großes Interesse gestoßen und wir waren überrascht, wie ausdrücklich positiv das Feedback war. Der einfache Zugang & Vergleich von journalistischen Kommentaren kommt gut an. Leider nicht bei allen.

Zwei deutsche Verlage haben mit massiven rechtlichen Schritten gedroht. So massiv, dass wir uns gezwungen sehen, Commentarist in seiner jetzigen Form vom Netz zu nehmen.

Wieder einmal beweisen deutsche Presseverlage, wie strukturkonservativ und eingeschüchtert von dem Internet viele von ihnen sind. Jeder Anflug von Innovation wird im Keim erstickt.

Die Arbeitsweise des Aggregators sah wie folgt aus:

Der Kern des von der Universität Karlsruhe finanziell unterstützten Dienstes ist ein Crawler, der die Inhalte von Medienangeboten indexiert – von Spiegel Online bis Tagesschau.de, von FAZ.net bis FTD.de – sowie ein Algorithmus, der durch eine semantische Analyse sowie Filterprozesse automatisch erkennt, ob es sich bei dem jeweiligen Text um Meinungsjournalismus handelt.

Nutzer gelangen auf verschiedenen Wegen zu den gewünschten Meinungsbeiträgen: Commentarist erlaubt die Suche nach Namen einzelner Journalisten oder nach Themenkomplexen, die Darstellung aller Kommentare und Kolumnen einzelner Websites sowie die Navigation über die Ressorts National, International, Wirtschaft, Sport, Wissenschaft & Technik sowie Kultur.

Meines juristischen Laienverständnisses nach war/ist Commentarist auf der rechtlich sicheren Seite. (siehe das Paperboy-Urteil des BGH) Es ist aber nachvollziehbar, dass ein noch sehr junges Startup vor massiven rechtlichen Anstrengungen zurückschreckt.

Wie hartnäckig deutsche Presseverlage mit juristischen Mitteln gegen vermeintliche Konkurrenten vorgehen, kann man am Beispiel Perlentaucher beobachten, der sich seit Jahren im Rechtsstreit mit FAZ und SZ befindet.

Danke für den Hinweis, dan h. racek.

Siehe zum Thema auch das Desinteresse deutscher Presseverlage an Rivva:

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Axel Springer ist schon lange kein Presseverlag mehr

Reuters über das Jahresergebnis für 2017 von Axel Springer:

Das digitale Geschäft steuerte im vergangenen Jahr bereits 80 Prozent des Gewinns bei und rund 72 Prozent des Konzernumsatzes. Größter Wachstumstreiber war erneut das Geschäft mit Job-, Immobilien- und Autoportalen. Auf dieses sogenannte Rubrikengeschäft entfielen rund 64 Prozent des Ebitda.

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Was uns Facebooks gescheitertes Zwei-Feeds-Experiment über das Distributionsdilemma von Massenmedien lehrt

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Aus dem Facebook Newsroom:

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For instance, podcast creators can now see (aggregated and anonymized, not device- or user-specific) data about when listeners stopped listening to a particular episode.

Warum das wichtig ist: Bis dato gab es für Podcasts nur Download-Daten, keine Informationen zum Hörverhalten. Sprich: Wer eine MP3-Datei herunterlädt, wird mangels Alternativen als jemand gezählt, die die komplette Folge angehört hat. Weil Podcasts auf RSS basieren und iTunes das größte und wichtigste Podcast-Verzeichnis ist, auf das alle Podcast-Apps zurückgreifen, ist allein Apple in der Lage detailliertere Informationen auf signifikanter Datenbasis zu erfassen. Mehr/andere Informationen über das Medienkonsumverhalten verändert zwangsläufig das Verhältnis zwischen Werbekunden und Medium. Podcasts boomen seit einigen Jahren als Medium seit es mit mobilen Apps bequem wurde, Podcasts zu hören.

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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