Open Compute Project: Warum Facebook sein Serverdesign offen gelegt hat

Ende letzter Woche hat Facebook die Architektur seiner Server offengelegt. Google hatte 2009 ähnliches gemacht, allerdings nicht so detailliert:

Der Detailgrad der Informationen auf Open Compute ist allerdings bisher einzigartig. So finden sich dort detailierte Spezifikationen und CAD Zeichnungen sowohl von einzelnen Serverkomponenten wie Mainboards und Netzteilen, als auch von ganzen Rechenzentren.

Die Auswirkungen könnten immenssein:

The biggest deal about Facebook’s open compute project isn’t the project, it’s the wave of innovation this can bring forward at the systems level — which will affect everyone from the chipmakers to the giant systems vendors and data center operators.

Lesenswert sind auch diese Ausführungen zum mechanischen Serverdesign.

Aber was hat Facebook selbst von diesem Schritt?

Facebook erhofft sich einen Vorteil in der Weiterentwicklung der Serverdesigns aus dem Ökosystem, dass durch die Öffnung potentiell entsteht. Mehr Kreativität von mehr Köpfen ist besser und kann Facebook helfen mit Google, das viel größer als Facebook in Mannpower und Kriegskasse ist, beim größten Kostenpunkt für Internetgiganten besser zu konkurrieren: Serverparks.

Ars Technica:

When it comes to datacenters, size matters, because a fully custom datacenter design like what Facebook has done is a fairly capital- and talent-intensive business. Google currently has a lot more capital and talent to throw at the datacenter side of its business, and this will give it a large and durable edge over a smaller rival like Facebook in terms of efficiency, uptime, and regular innovation. Facebook’s answer, then, is to punch way above its weight by open-sourcing its work so far and inviting partners in to help, so that Google (as a proprietary datacenter company) has to compete with a large, open ecosystem.

[..]

But Facebook has far fewer resources than Google to throw at this very difficult problem, hence the open-source, ecosystem-based approach.

Als Bonuspunkt kommt noch eine Steigerung der Attraktivät von Facebook als Arbeitgeber hinzu. Was vielen hierzulande nicht bewusst sein dürfte, ist der Talentemangel im Silicon Valley weil Google, Facebook und Zynga, Quora und andere Startups immer härter um jeden guten Programmierer und Techniker kämpfen. Ein attraktiver Arbeitsplatz ist also wichtig:

My best guess is that this is primarily for recruiting engineering talent. There’s no shortage of engineers, but there’s always a shortage of great ones, especially in Silicon Valley. Google has been a talent vacuum for a long time since it’s so appealing for most engineers to work there.

With this move, I think Facebook is telling the geek world that they’re just as big and serious of a tech company as Google, and if you want to work on large-scale, interesting engineering challenges that affect hundreds of millions of people, you should work at Facebook.

Das sind also (höchstwahrscheinlich) die Gründe für Facebook, ihre Serverarchitektur zu veröffentlichen:

  1. Kostenvorteile durch Weiterenticklung in einer größeren Community
  2. Attraktivitätssteigerung von Facebook als Arbeitgeber für Topexperten

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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  • Den ersten Punkte halte ich für sehr wichtig: Durch die 'Kommoditisierung' solcher Betriebsgeheimnisse wie Server- und Rechenzentrums-Design wird der Druck auf die Hersteller von Hardware und Technik erhöht. Den zweiten Punkt – employer branding – sehe ich eher nachrangig.
    Viel wichtiger dürfte hier die Marketing-Wirkung sein: Gerade auch bei den grossen Anbietern wie Google, Amazon und Microsoft ist die Frage nach dem Aufenthaltsort der gepeicherten, personenbezogenen Daten immer wieder im Zentrum der Diskussion. Facebook macht durch diesen Schritt seine riesige Personendaten-Speicherungsmaschine um einiges greifbarer und ist dadurch seinen Konkurrenten einen großen Schritt voraus.

    Wer noch ein paar Zeilen zu dem Thema lesen möchte: http://blog.roland-judas.de/20