Google+-Integration in Suche ist der Aufbau von Verhandlungsmasse gegenüber Facebook, Twitter

Die gestern bekannt gemachte tiefe Integration von Google+ in die Google-Suche ist die größte Veränderung der Suche von Google seit der Einführung von AdWords.

Es ist nicht verwunderlich, dass MG Siegler angesichts der Integration der beiden Produkte ein Antitrust-Problem sieht. Ich sehe das nicht.

Googles Strategie mit Google+ dürfte mit der Integration klarer denn je geworden sein. Treten wir einen Schritt zurück. Siegler sieht hier die Verbindung zum Antitrust-Verfahren gegen Microsoft, als der Internet Explorer mit Windows ausgeliefert wurde.

Die Situation mit Google+ ist aber anders.

Microsoft wollte mit dem Bündeln von Betriebssystem und Browser verhindern, dass sich ein anderer Browser als der ihre etablieren kann.

Google dagegen ist es ‚relativ‘ egal, welches Social Network sich etabliert. Hauptsache, es hat Zugriff auf die Daten und kann diese auswerten und durchsuchbar machen.

Google führt also Google+ nicht in die Suche ein, um die anderen Social Networks aus der Suche herauszuhalten. Es führt vielmehr eine neue Kategorie von Suchergebnissen ein. Und startet die mit Google+.  (Die Aussage an Twitter und co. lautet demnach auch: ‚Wenn Ihr eben kein Interesse daran habt, mit uns zusammenzuarbeiten, dann bauen wir eben einen Konkurrenten auf.‘)

Warum? Weil Google unbedingt verhindern muss, dass der blinde Fleck Facebook (neben dem größten Social Network unter anderem auch der weltweit größte Fotosharingdienst) immer größer wird. Denn je größer der blinde Facebook-Fleck wird, desto mehr fällt die Bedeutung des Index von Google.

Google hatte bereits Twitter in die Suche integriert. Der Deal aber endete letztes Jahr. Gut möglich, dass Google festgestellt hat, dass Twitter eine weitaus stärkere Verhandlungsposition hat, als es den Leuten in Mountain View gefällt.

Danny Sullivan hat mit Google-Chairman Eric Schmidt gesprochen:

Schmidt then said:

“I do hope when you speak to Facebook, you ask them analogous questions about opening up their index and all that content that’s behind there,” ending with a smile.

We talked further about what my issues were. I stressed the concern of Google not pointing to anything other than Google+ for these new social suggestions, not what I had expected from the same search engine that points at content even from rivals through things like Google Finance.

“We had permission,” in that case, Schmidt said, suggesting that Google seemed to lack the permission needed to equally display social suggestions from Facebook and Twitter.

Google will Facebook, Twitter und co. in der eigenen Suche. Denn derjenige Konkurrent (Bing?), der ‚Social Search‘ hinbekommt, hätte dann einen Vorteil gegenüber Google, der erstmals dem Suchriesen gefährlich werden könnte. Mit jedem Like-Klick steigt die Gefahr für Google.

Je größer Facebooks private Datenschatzkammer wird, je mehr Social-Graph-Daten Twitter und co. anhäufen, desto größer die eben beschriebene Gefahr für Google und desto erpressbarer wird Google.

Jedes Antitrust-Argument kann Google mit den Worten abschmettern, dass sie gern Facebook und Twitter ebenso integrieren wie Google+; wenn diese das denn wollen.

Denn eben genau das will Google. Es will all die privaten Daten, die auswertbaren Vernetzungen. Alles. Twitter zum Beispiel ist zwar indizierbar, weil öffentlich, setzt aber auch seit längerem no-follow-Links verstärkt ein. Google bekommt also nur die Brotkrumen.

Jetzt auf einmal sieht sich Twitter einer anderen Situation gegenüber: Rein in die neue Social-Kategorie von Suchergebnissen, die Google für seine Suche mit Google+ eingeführt hat, oder relativ zu Google+ benachteiligt zu werden.

Google versucht, seine Verhandlungsposition gegenüber Twitter, Facebook und anderen Anbietern, die soziale Daten anhäufen, stark zu verbessern. Nicht mehr, nicht weniger. 2012 wird spannend.

Das Fazit:

Google+ existiert unter anderem, weil Google unbedingt auch die privaten Daten von Facebook und co. indizieren will.

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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