Messaging News: Quartz mit App, Forbes mit Newsbot auf Telegram

forbesbot

Nachdem Quartz mit seiner eigenen News-App im Messaging-Stil für Furore sorgt, hat nun Forbes gemeinsam mit Telegram einen Newsbot für die Messaging-AppTelegram veröffentlicht.

Im Medium-Post, in welchem der Bot verkündet wird, gibt es auch eine gute Zusammenfassung der jüngsten Messaging-News-Entwicklungen:

Quartz has launched a new app that turns news consumption into a conversation. It’s fun and different, but, again, it asks you to download yet another app — a dubious prospect. A better idea is to distribute and engage on platforms that already have tens or hundreds of millions engaged. Buzzfeed is using the chat app LINE in creative ways, the Huffington Post is connecting directly with readers with Viber’s Public Chats and the Washington Post is publishing quizzes and games on Kik.

So when the folks at Telegram reached out to us to launch a newsbot on its platform, we said sure, why not? It’s an opportunity to do a little experimenting in someone else’s (rather big) sandbox and let readers engage with our stories and archives in a whole new way. (…)

The bot is automated, no editors involved. Once you subscribe you get a handful of our most popular stories pushed to you twice a day, and you can subscribe to any of our news channels (tech, business, investing, etc.) or type in any search term to pull up recent, relevant stories. You can then follow these news topics and if we have new stories you’ll get these pushed to you when they publish. The bot can handle some light conversation, but I wouldn’t put it to the Turing test any time soon.

Die Quartz-App hat den Vorteil, dass sie lediglich ein Frontend ist. Das dafür entwickelte Backend -der Bot- kann ohne Probleme in andere Umgebungen wie Telegram, Facebook Messenger oder Line integriert werden. Das ist das Besondere am Messaging-Ansatz: Er ist nicht beschränkt auf eine Umgebung und die einmal geschaffene Infrastruktur lässt sich vielfältig einsetzen:

Most of what Quartz built for its app can easily be ported to, say, a chat platform like WeChat, Snapchat or Facebook Messenger or WhatsApp. It can also be fed into a voice interface like Amazon Alexa.

The app is not the end point but a starting point.

Es bleibt also festzuhalten:

  • Dass Quartz erwartet, man lade eine App herunter um in dieser dann Messaging mit News zu „spielen“ ist tatsächlich etwas befremdlich. (Das Interface hält sich auch noch viel zu stark an die Messaging-Metapher und verlangsamt die Interaktionen damit viel zu stark.)
  • Aber im Gegensatz zu Forbes hat Quartz die notwendige Arbeit (Bot-Aufbau) bereits getan. Forbes kann den Telegram-Bot wohl eher nicht auf Messenger oder Whatsapp portieren. (Telegram dürfte hier einen großen Teil der Integration übernommen haben. Auf der anderen Seite klingt der Forbes-Bot auch recht simpel.)
  • Zusätzlich lässt sich mit einer eigenen App mehr machen als innerhalb der engen Grenzen einer Messaging-App.
  • Aber: Was Forbes oder die BBC mit Telegram machen, gehört definitiv zur Medienzukunft, aus diversen Gründen. (Zeitnah dank Push-Notifications, Subscribing schafft abo-ähnliche Bindung, jede Diversifizierung weg vom Facebook-Feed ist aus wirtschaftlichen Gründen zu begrüßen) News-Messaging-Bots werden für die überwiegende Mehrheit der Medien (98+%) sehr viel sinnvoller als eigene komplette Apps.

Das alles wirft, wie so oft, die Frage auf, ob Apple und Google diesbezüglich etwas auf OS-Ebene planen. Ich würde stark davon ausgehen.

Für deutsche Medienmacher dürfte das alles nur schwer nachvollziehbar sein. Prognose:

2017 stellt Zeit Online ein/e „Chat-Redakteur/in“ zum Befüllen von Facebook Messenger ein und wird dafür in Deutschland als innovativ gefeiert.

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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  • raum441

    Hilfreiche Einordnung der Möglichkeitein: http://whoo.ps/2015/02/23/futures-of-text

  • Woran Google arbeitet, ist ja der Grundlinie nach bekannt – es geht Richtung avancierte Semantik, verknüpft mit Machine Learning bei Input und Output für mehr Präzision nund Individualisierung.
    Die Bots gibt es ja schon eine Weile. Als solche sind sie uninteressant, weil sie extrem trivial aufgesetzt werden können – oder eben zunehmend intelligenter werden.
    Die interessanteren Varianten beschäftigen sich dabei weniger mit der Auslieferung auf Mobile, sondern mit der Qualität der automatisierten Suche. Bei getnewsbot.com kann ich mir praktisch meine Newsbots selbst „konfigurieren“ (auch spotan per „give me 5“ als Browser-Addon). Die Technologie von EEXCESS ist als solche auch interessant – da werden semantische Analysen für die Suche in Repositorien verwendet, das ginge natürlich theoretisch auch mit jedem anderen Content.
    Es kommt also bei den Bots an auf die Intelligenz der Algos, die Suchtiefe/Suchbereiche, das Verständnis für den Nutzer und wie der Bot in den Lesefluss bzw. Arbeitsfluss des Nutzers eingebaut wird. Insofern hast du wahrscheinlich Recht, dass die tiefere Integration ins System (d.h. in die Nutzung eines Devices) der Weg ist, wo die Individualisierung des News-Streams am ehesten wirklich glücken kann.
    Ersatzweise kann man es wie Evernote machen, die im Bereich der intelligenten Artikelvorschläge mMn bislang die beste Technologie haben (würde reichen, wenn Zeitungen/Zeitschriften für Ihre Abonnenten ihre Archive bei Evernote einbinden würden – ich würde vor Glück schreien).
    Bei den News-Alerts von Blendle geht vermutlich auch noch mehr Raffinesse. Problem ist da nur: Die Maschine findet dann mehr, als man bezahlen könnte ;)
    Einen ganz anderen Ansatz geht Nuzzle, nämlich News aus einem sozialen Nutzerprofil heraus anzubieten. Das ist erstaunlich nützlich, andererseits auch nur 1 (bislang nicht besonders raffinierter) Baustein auf dem Weg zur kompletten semantischen Triade (Analyse von individuellem Kontext, Social Connections (inkl. Sentiment-Analyse) und indizierten Dokumenten). Wenn das dann noch aktualisierbar bzw. nachjustierbar wäre von Hand – dann kommt man allmählich auf eine Vision, von der bislang nirgends etwas zu sehen ist, die aber sicherlich irgendwann „zusammengebastelt“ werden wird, zumal immer mehr Bausteine eigentlich schon vorhanden sind. Facebook sähe dann schon so aus wie heute, nämlich vergleichsweise tumb.

    (Anbei Abb., was ich hier gerade unten am Screen eingespiegelt bekomme von EEXCESS ;) )

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