New York Times‘ TimesSelect endet heute – zu recht

Vor einem reichlichen Monat hatte ich bereits darüber berichtet, dass die New York Times ihr Paid-Content-Angebot „Times Select“ einstellen und die dort enthaltenen Texte, wie etwa die Kolumnen, künftig frei zugänglich machen wird.

Heute ist es nun soweit. Interessante Begründung, mit für Netizens eher offensichtlichen denn überraschenden Erkenntnissen:

What changed, The Times said, was that many more readers started coming to the site from search engines and links on other sites instead of coming directly to NYTimes.com. These indirect readers, unable to get access to articles behind the pay wall and less likely to pay subscription fees than the more loyal direct users, were seen as opportunities for more page views and increased advertising revenue.

“What wasn’t anticipated was the explosion in how much of our traffic would be generated by Google, by Yahoo and some others,” Ms. Schiller said.

Erstaunlich, wenn man einmal im Detail sieht, wie sehr Vertreter der alten Medien das Netz nicht verstanden haben oder hatten. Der New York Times muss man zugute halten, dass sie aus ihren Fehlern gelernt haben und die richtigen Schlüsse gezogen haben.

 

Und in good ol‘ „you’ve heard it here first“-style zitiere ich mich selbst:

Mit der Zunahme an partizipativen Medien geht der Erfolg von Bezahlcontent somit zwangsläufig zurück. Denn Erstere entziehen Zweiterem Aufmerksamkeit und damit die Existenzgrundlage, muss ihre stetig zunehmende netzumspannende Diskussion doch ohne ihn stattfinden.

und anschließend Mathew Ingram:

In any case, I think allowing bloggers and other sites to link freely to columnists and other writers at the Times will help increase the discussion around the issues the paper writes about, and that will benefit the Times in the long run.

und Jeff Jarvis:

TimesSelect is dead. It was a cynical act doomed from the start. With it goes any hope of charging for content online. Content is now and forever free.

No one with sufficient experience ever thought that TimesSelect made good business sense. [..]

And TimesSelect cost the paper much more in the internet age: It took the Times columnists out of the conversation and reduced their influence in America and worldwide. Worse, it diluted the paper’s Googlejuice.[..]

Whether or not content wants to be free, it is free.

Ob es einem gefällt oder nicht, eingezäunter Bezahlcontent funktioniert nicht. Und wird es auch nicht mehr.

Seiten mit eingeschlossenem Bezahlcontent sind wie kleine, äußerst triste Inseln, getrennt durch das Bezahlmeer von einem pangäagleichen Kontinent, auf dem eine riesige, nicht endenwollende Freecontentparty stattfindet.

Be part of the discussion or die. That simple.

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als freier Strategy Analyst und schreibt als Business Analyst regelmäßig bei digital kompakt, ist Co-Host des Exchanges-Podcasts, schreibt für diverse Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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Comments

  1. Ich hab das damals von Dir übernommen und dann wochenlang ein flaues Gefühl gehabt, ob und wann die Sache denn endlich umgesetzt würde! ;-)

Trackbacks

  1. […] einen anderen ähnlich gearteten Dienst befriedigt werden kann, ist es sehr schwierig ein reines Bezahlmodell im Netz aufrecht zu erhalten. Daher haben sich hauptsächlich Anbieter durchgesetzt, die über einen […]

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