Vernetzte Welt 23: Forschungszentrum, Versicherungen, Landwirtschaft

Immer Dienstags erscheint an dieser Stelle eine kommentierte Übersicht zu den wichtigsten Entwicklungen und besten Analysen aus der Welt der vernetzten Geräte, dem ‚Internet der Dinge‘.
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„Internet of Things (IoT) Market Ecosystem Map“

Teil des IoT-Ökosystems
Komplette Karte und Anmerkungen vom Macher der Karte hier

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Brand Eins: „Industrie 4.0: Mehr Ding als Internet“

Brand Eins fasst einige Aspekte von IoT und „Industrie 4.0“ lesenswert zusammen.

Die Verschiebung der Wertschöpfung durch die Infusion von Software wird aber auch hier (dank der befragten Experten) erheblich unterschätzt:

Im Geschäft mit Endkunden hat die Digitalisierung neue Märkte geschaffen. Es gab zuvor keine Suchmaschinen oder virtuellen sozialen Netze. Es müssen aber weiterhin Werkzeugmaschinen, Schiffe und Kraftwerke gebaut werden. Das ist ein grundlegender Unterschied – der Kern der Fertigungswelt lässt sich nicht digitalisieren.
Stefan Wolff, Gründer des Industrie- und Logistik-Datendienstleisters 4flow aus Berlin sagt es so: „Die eigentliche Wertschöpfung bleibt zum Großteil ein physischer Vorgang.“
Das industrielle Internet der Dinge ist also mehr Ding als Datennetz. Doch diejenigen, die Daten nicht nutzen, um ihr Geschäft klüger zu betreiben, werden es damit schwer haben.

Das ist zu weiten Teilen (irreführende) Beruhigung der Partner, ob Beratungskunden oder Geschäftspartner.

Siehe auch hier:

Unter Gründern und Beratern kursiert die Meinung, die Digitalisierung sei gleichbedeutend mit der Ablösung alter Geschäftsmodelle. Vollkommen neue Unternehmen übernähmen die Macht. Doch im Industrie-Geschäft hinken die ewigen Vergleiche mit Apple, Google und Facebook. Ein iPhone hat mit einem grünen Tastentelefon von Siemens auf dem Abstelltisch in der Diele nicht mehr allzu viel gemein. Die wichtigste Aufgabe einer Heizungspumpe wird aber auch in 50 Jahren noch sein, zuverlässig Wasser durch die Anlage zu pumpen. Auf dieser Kernfunktion ließen sich „hybride Geschäftsmodelle“ aufbauen, wie ten Hompel es nennt. Die industriellen Champions von heute seien dabei in einer guten Ausgangsposition.

„Hybride Geschäftsmodelle“, das was man beispielsweise im durch den Onlinehandel gebeutelten Handel Multichannel nennt, wird in über 90 Prozent der Fälle nicht funktionieren. Es wird immer Ausnahmen geben, wo die Geschäftsabläufe so fundamental sind, dass die Infusion von Software keine nennenswerten Verschiebungen in der Wertschöpfung verursacht.

Aber das sind die Ausnahmen, die Ausreisser, die weder als Best Practice noch als Analysengrundlage herhalten können. Selbst B2B-Sektoren sind nicht veränderungsresistent; es dauert ’nur‘ länger als im Endkonsumentenbereich.

Die schmerzhafte Regel sind massive Verschiebungen in den Machtverhältnissen aller Branchen weil Software flexibel macht was vorher starr war.

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Implikationen

Die Medium-Publikation Backchannel über die Implikationen einer vernetzten Welt, die unter dem Begriff „Internet der Dinge“ leicht verloren gehen können:

When we’re thinking about the IoT (and yes, I’ll use the damn term) we should really be situating it within the larger context of a global technological flourishing that’s taking place all around us. We’re seeing simultaneous, once-in-a-hundred-years technology revolutions taking place in multiple sectors, from energy and transport to manufacturing, finance and healthcare. It’s the result of an inevitable technological push that’s going to drop humanity into a sea of meshed connections, with mind-blowing consequences.

(..)

So ignore the stories about fridges speaking to your phone, or smart forks that keep track of how fast you’re eating. Just because a device can be packed with sensors and put online, doesn’t mean it actually serves a consumer purpose. Those are products driven by marketing, and they distract us from the bigger issues at stake. Once connectivity is embedded within our physical environment the use cases will be far more interesting and transformative.

Start thinking differently about the IoT. Make sure you place it within its larger technological context, and join the vanguard that’s establishing new design practices and principles for how we’re going to manage it. It’s not more of the same. It’s something new. And once we get past that stupid name, it’s going to change the world.

Man vergleiche das auch mit den Aussagen in der Brand Eins.

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„Smart City auf dem Sachsenring“

Oiger:

Nun kennt man Roboterautos zwar bereits aus US-Dokus, die Live-Vorführung in Sachsen geht aber noch einen Schritt weiter. So kann der aufgerüstete eGolf nicht nur autonom fahren und in komplizierten Verkehrssituationen ausweichen, sondern erkennt auch am Straßenrand umhertollende Kinder und verständigt sich per Funk mit intelligent vernetzten Ampeln. Dafür beklebt NXP die Taschen von Kindern und anderen Passanten mit Funkchips (RFIDs). Die wiederum verständigen sich dann drahtlos mit der Auto-Bordelektronik und einer vom Unternehmen „Dresden Elektronik“ speziell konstruierten Ampel. Schlagen die RFID-Etiketten Annäherungsalarm zur Straße („Vorsicht. Kinder kommen!“), leitet der Golf automatisch vor einem Zebrastreifen ein Bremsmanöver ein, an einer anderen Querung schaltet die Ampel für Autos auf Rot.

Wenn jede/r RFID-Chips bei sich tragen muss, um nicht von selbstfahrenden Autos überfahren zu werden, ist das Ergebnis nicht sonderlich smart (und auch nicht sonderlich beeindruckend). Das ist keine Zukunftsvision sondern eine Redundanz-Komponente.

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Die vier Datenarten im Internet der Dinge

ReadWrite identifiziert vier Datenarten im IoT: Status Data, Location Data, Personalized Data und Actionable Data.

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Neues IoT-Forschungszentrum am Georgia Tech Research Institute in Atlanta

OStatic:

The recently established Center for the Development and Application of Internet-of-Things Technologies (CDAIT) at the Georgia Institute of Technology is shaping up to be a primary research center. AirWatch, AT&T and Samsung Electronics are among the founding members of the center.
(..)
Housed at the Georgia Institute of Technology in the Georgia Tech Research Institute, the Center for the Development and Application of Internet-of-Things Technologies (CDAIT pronounced sedate) is positioned as a global, non-profit, partner-funded center located in Atlanta.

Mehr auf der Website des Forschungszentrums.

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E-Commerce of Things: Dash-Buttons und Co.

Dr. Katja Flinzner via netzaktiv.de auf T3N:

Was auf den ersten Blick nach einem Paradies für bequeme Verbraucher aussieht, ist bei näherem Hinschauen vor allem ein Geschenk des Himmels für Händler und Hersteller. Nicht nur, dass die neuen Gadgets und Geräte die perfekten Datensammler sind – eine bessere Methode zur Kundenbindung gibt es wohl nicht. Wenn an meinem Kühlschrank der Maccaroni-und-Cheese-Button von Kraft hängt, werde ich wohl kaum zum Konkurrenzprodukt greifen. Und während ich mich an den bequemen Knopfdruck gewöhne, gewöhne ich mir gleichzeitig ab, überhaupt darüber nachzudenken, wo ich die nächste Packung Windeln kaufe. Das bedeutet nicht nur, dass ich mit immer geringerer Wahrscheinlichkeit zu einem anderen Händler abwandere, sondern auch, dass Preisüberlegungen für meine Einkäufe kaum noch eine Rolle spielen.

Dash und Co. sind also in allererster Linie Kundenbindungsinstrumente par excellence.

Siehe zum Thema auch ausführlichst die Podcast-Episode Exchanges #98 („Amazons Dash-Strategie unter der Lupe“), in dem Jochen Krisch und ich die Potenziale analysieren, und Thingonomics 5, worin Martin Spindler und ich ebenfalls unter anderem über den Dash-Button sprechen.

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IoT & Versicherungen: Unausweichlich

TechCrunch über die unausweichlichen Versicherungsmodelle:

As IoT continues to explode, so too does the pool of unique data to which insurers will have access. Accenture found that 78 percent of insurance customers would be willing to share personal information with their insurance companies in return for benefits like lower premiums or faster claims settlements.

For your insurance company, data from IoT devices can offer a much more calculated look into hazard and risk based on your distinct daily behavior. That means more hard evidence to support the claims process, more information to prevent claims in the first place and a more frequent dialogue between you and your providers.

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IoT und Versicherungen II: Apple Watch und deutsche Versicherungen

Gründerszene über einen Vorstoß der Techniker Krankenkasse:

Nach der AOK Nordost will nun auch Deutschlands mitgliederstärkste gesetzliche Krankenkasse Fitness-Tracker wie die Apple Watch bezuschussen: Die Techniker Krankenkasse plant, ihren Mitgliedern einen Betrag von bis zu 250 Euro zu erstatten, sagte eine TK-Sprecherin gegenüber Gründerszene. Die Apple Watch kostet in der günstigsten Variante 399 Euro.

Das klingt nur radikal, bis man die Bedingungen sieht:

Die Mitglieder müssen vorher allerdings auch etwas für ihre Gesundheit tun: Wenn sie innerhalb eines Jahres an neun verschiedenen Maßnahmen des Bonusprogramms der Krankenkasse teilnehmen, haben sie einen Anspruch auf den Zuschuss. Darunter fallen zwei Früherkennungs- oder Vorsorgeuntersuchungen, zwei Gesundheitskurse und fünf andere Aktivitäten – etwa die aktive Mitgliedschaft in einem Sportverein oder ein Sportabzeichen.

Die Apple Watch ist nur ein besonders attraktives Zuckerli. Eine (von Beobachtern etwa befürchtete) verknüpfte Datenanalyse findet noch nicht statt (und dürfte in Deutschland auch schwierig umsetzbar sein).

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Wearables im Arbeitsbereich

The Inquirer:

Research company Tractica has said that wearables will start popping up in enterprise and industrial settings in a big way. The firm believes that wearables, much like smartphones, will ultimately become a standard integration in the office of the future as the technology improves, the market explodes and organisations realise their potential.
„Expect growth to include devices that are part of a ‚bring your own wearable‘, or BYOW, trend, as well as devices provided by employers as part of a corporate wellness programme,“ said Tractica research director Aditya Kaul.
„Smartwatches will be the largest category of workplace wearables, followed by fitness trackers and internet-connected smart glasses. Smart clothing is [also] on the horizon.“

Interessante Zahlen:

The Human Cloud at Work study by the university’s Institute of Management Studies found that wearable technologies can boost employee productivity by 8.5 percent and job satisfaction by 3.5 percent, and that each employee will create upwards of 30GB of data a week from an average of three wearable devices. This device-generated raw data can be stored and analysed by employers to understand how human behaviour and environmental properties affect productivity, performance, well-being and job satisfaction.

Auch Wearables im Arbeitsbereich werden noch zurückgehalten von fehlenden Standards:

Juniper’s report warned that, despite the UK government recently urging retailers to embrace the IoT in a bid to improve productivity, automate supply chains and boost delivery times and stock efficiencies, companies must have the right systems in place to embrace the IoT and the data it produces. And at the moment, they don’t.
The IoT’s growth is being held back by the risk of conflicting standards. Intercompatibility is a big problem in IoT application at the moment, as there are conflicting standards from many different groups all doing the same thing. However, it’s not to say that no-one is trying.

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Vernetzte Kühe

Microsoft PR:

When I get up in the morning and put on my boots, I don’t go to the stables first,” he says. “I check my PC for alerts about whether any cows are sick, and I’m in the know right away.”

The reason is a modern breakthrough for a traditional industry. SCR Dairy calls its approach “HealthyCow24,” a solution based on the Internet of Things that uses Windows Embedded software and Microsoft Azure cloud technology.

Farmer Steffen Hake and his father, Erwin, use SCR Dairy’s technology on the farm.
This cow-monitoring system gives farmers insights that can boost milk production, smooth the calving process and ensure healthier cows — all while saving time.

And time is important for farmers like Hake, who has worked on his parents’ co-op farm in Wagenfeld-Ströhen, Germany, since 2005 and now manages 240 cows with help from his father and a few other workers. He’s part of a younger, tech-savvy generation that wants to do and experience more, both on and off the farm.

„HealthyCow24“.

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Daten in der Landwirtschaft, Teil II

Noch ein weiteres Beispiel aus der Landwirtschaft in Forbes:

Take John Deere, for example.  For decades, they’ve sold the tractors that make farming on a 21st century scale easier and more profitable. But since 2012, they’ve added data connectivity to their equipment, giving farmers information about which crops to plant where and when, when and where to plow, and even the best route to take while plowing.  They are essentially now in the business of selling data as much as they are selling tractors.

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Crowdfunding-Kampagne der Woche: Mycroft, Open-Source-Alternative zu Echo

Caschys Blog:

Im Gegensatz zu dem auf Amazon-Dienste zugeschnittenem Echo, läuft Mycroft unter Open Source. Als Taktgeber haben die Entwickler sich für Raspberry Pi 2 und Arduino entschieden. Die Grundfunktionen sind also frei programmierbar, sofern entsprechende Kenntnisse vorhanden sind. Außerdem verfügt das System über integrierte Lautsprecher, über die Antworten ausgegeben werden oder Musik abgespielt werden.

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als freier Strategy Analyst und schreibt als Business Analyst regelmäßig bei digital kompakt, ist Co-Host des Exchanges-Podcasts, schreibt für diverse Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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