Was Disney/Fox für die Zukunft des deutschen Fernsehens bedeutet

Nach Pixar, Marvel und Lucasfilm jetzt also auch noch die Unterhaltungssparte von 21st Century Fox (Quasi alles minus Fox News). Die signifikanten Teile der westlichen Populärkultur, die bei Disney liegen, werden mehr und mehr. Größenordnung: Disney wird nach dem Deal doppelt so groß sein.

Warum es wichtig ist: Der Disney/Fox-Deal hat weitreichende Implikationen für die Zukunft vor allem der TV-Unterhaltung. Denn deren Zukunft wiederum liegt im On-Demand-Streaming im Stil von Netflix. Vor einigen Monaten hat Disney, nachvollziehbarerweise, verkündet, einen eigenen Streamingdienst zu starten; mit Star Wars bis Marvel und mehr. Wenn Disney seine Inhalte in ein paar Jahren weltweit nur noch exklusiv im eigenen Streaming-Dienst und Onlineshop über Apple TV, Fire TV und co. anbietet, wird es eng für’s deutsche TV.

Axios:

The new mega-media company will have better leverage to compete with tech giants like Netflix for entertainment viewership and more opportunities to expand Disney’s legacy sports brand, ESPN.

The deal brings together two of Hollywood’s „Big 6“ movie studios, Walt Disney Studios and 20th Century Fox. It will now own 7 of the 10 highest-grossing films :

Avatar (Fox)
Titanic (Fox)
Force Awakens (Disney)
Jurassic World
The Avengers (Disney )
Furious 7
Avengers: Age of Ultron (Disney)
Harry Potter and the Deathly Hallows: Part II
Frozen (Disney)
Beauty and the Beast (Disney)

Das sind doch gute Voraussetzungen für einen eigenen Streamingdienst!

Quartz mit ein paar mehr Details zum bevorstehenden Deal:

Disney is buying Rupert Murdoch’s 21st Century Fox for $52.4 billion, including its Hollywood film studio and properties such as The Simpsons, The X-Men, and Avatar. Not included: Fox News.

​Interessant ist auch die Tatsache, dass Disney die Mehrheit am US-Streaming-Dienst Hulu erhält:

Disney will also acquire a controlling stake in the streaming service Hulu, the cable network FX, and a soon-to-be controlling stake in satellite broadcaster Sky—assuming the deal receives approval from antitrust regulators in the US and elsewhere.

Das könnte sich je nach aktuellem Regulierungswind in den USA noch ändern. Langfristig würde Hulu allerdings Disney bereits einen kleinen Vorsprung zum Start des eigenen Streamingdienstes geben. (Noch plant Disney drei Dienste: Family (Disney), Adult (Hulu) und Sport (ESPN), aber wenn es so weit ist, werden es wohl eher zwei werden: Sport (USA) und Unterhaltung (weltweit).)

Auch für Europa interessant:

The merger gives Disney minority stake in Sky’s streaming property, which reaches consumers directly in the U.K. and Europe and Tata Sky, a direct TV provider in India.

Mittelfristig wäre es für Disney als auch für Sky sinnvoll, wenn Sky im künftigen Disney-Streamingdienst aufgeht. Man kann hier also durchaus von einer möglichen Übernahme innerhalb der nächsten drei Jahre ausgehen.

Denn das ist der Ausblick für TV-Unterhaltung in Deutschland und Europa allgemein: Im Alleingang hat Sky, ebenso wie jeder deutsche TV-Sender oder deutsche Streamingdienst etwa, keine Chance gegen Netflix, Amazon, Disney, Apple, Google.

Je früher die Unternehmen1 das erkennen, umso besser. ProSiebenSat.1 ist hier ein gutes Beispiel für eine Unternehmensgruppe, die proaktiv an ihrer Zukunft abseits des TV-Geschäfts arbeitet.


  1. Das öffentlich-rechtliche TV ist nochmal ein anderer Fall. Aber auch hier ist es eigentlich sehr dringend, dass sich die entscheidenden Stellen Gedanken machen, wo man in einer Welt der On-Demand-Streaming-Dienste stehen will und kann. Angesichts des kommenden Bruchs, der von Unternehmen wie Disney noch einmal stark beschleunigt werden wird, sollten heute bereits wichtige Weichen gestellt werden. 

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als freier Strategy Analyst und schreibt als Business Analyst regelmäßig bei digital kompakt, ist Co-Host des Exchanges-Podcasts, schreibt für diverse Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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