Wie Android: Google investiert in KaiOS (Ex-Firefox OS), um überall verfügbar zu bleiben

Die Übernahme von Android durch Google war ein offensiver Defensiv-Zug, auch wenn das zugegeben ziemlich albern klingt. Google hatte Angst, dass Microsoft die Marktmacht von Windows versuchen würde zu nutzen, um Google den Weg zum Endkunden entweder schwer oder zumindest teuer zu machen. In den Nuller Jahren waren wir alle noch naiv genug zu glauben, dass Microsoft möglicherweise im (damals Prä-iPhone noch nicht richtig existierenden) Smartphone-Sektor eine gleiche Marktmacht aufbauen würde wie auf dem Desktop.

Android war Googles Antwort auf diese hypothetische Gefahr.

Daniel Herbig auf heise:

22 Millionen US-Dollar investiert Google in das mobile Betriebssystem KaiOS, das sich vor allem an Entwickler von Feature Phones für Schwellenländer richtet. Durch die Investition will Google sicherstellen, dass künftig auch KaiOS-Nutzer Zugriff auf Google-Anwendungen wie Maps, Youtube und den Google Assistant haben, schreibt Entwickler KaiOS Technologies in einem Blog-Eintrag.

KaiOS ist ein Handy-Betriebssystem, das auf vielen sogenannten Feature Phones läuft – Kompromiss-Geräte zwischen einem vollwertigen Smartphone und einem klassischen Mobiltelefon, das nur telefonieren kann. Solche Feature Phones sind günstiger als Smartphones, lassen Nutzer aber trotzdem im Netz surfen. KaiOS lässt User per 4G mobil ins Internet, hat GPS und WiFi sowie einen eigenen App-Store. KaiOS basiert auf dem eingestampften Firefox OS.

Das Entscheidende hier ist, dass KaiOS einen Appstore hat und aufgrund seiner Featurearmut günstige Telefone, „Kompromiss-Geräte“, anspricht. Also das untere Marktsegment.

Die Relevanz von KaiOS ist zu vernachlässigen. Aber man weiß ja nie. KaiOS könnte ein Hit in Afrika oder Südostasien, zum Beispiel, werden. Besser also früh einen Fuß in der Tür, wenn es wichtig ist, alle Menschen erreichen zu können:

„Wir wollen sicherstellen dass Apps und Dienste von Google jedermann zugänglich sind, egal ob Desktop-, Smartphone- oder Feature-Phone-Nutzer“, wird Google-Manager Anjali Joshi im KaiOS-Blog zitiert. „Wir arbeiten mit KaiOS, um den Zugang zu Informationen für Feature-Phone-User weltweit zu verbessern“: KaiOS Technologies will das Geld von Google nutzen, um die Verbreitung von KaiOS-Geräten zu beschleunigen.

Google möchte nachvollziehbarerweise keinen Mittelsmann zwischen Suche und Suchenden, zwischen Googlediensten und Googlenutzern.

Blackberry, an das das ursprüngliche Android angelehnt war, verlor vor zehn Jahren rasant an Bedeutung. Microsoft sollte nie Erfolg haben im Mobile-Sektor neben Android und iOS.

Und heute zahlt Google Apple natürlich Milliarden jedes Jahr, um die Default-Suche auf iOS zu sein.

Im Vergleich dazu sind 22 Millionen $ Peanuts. Und KaiOS irrelevant.

Aber man kann ja nie wissen.

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als freier Strategy Analyst und schreibt als Business Analyst regelmäßig bei digital kompakt, ist Co-Host des Exchanges-Podcasts, schreibt für diverse Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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