Es wird die nächsten Jahre keinen „Facebook-Killer“ geben

Facebook logo

Angesichts der Tatsache, dass aufgrund des gestern vorgestellten Google+ vermehrt wieder über eingebildete „Facebook-Killer“ geschrieben wird, lohnt sich der Hinweis, dass Facebook um die 700 Millionen aktive Nutzer hat. Aktive Nutzer sind solche, die sich in den letzten 30 Tagen mindestens einmal eingeloggt haben.

Jede Publikation, die bei Google+ von einem Facebook-Killer spricht, disqualifiziert sich selbst. Eine Handvoll Gründe:

  • Google+ kann hervorragend neben Facebook existieren. Produkte in der gleichen Kategorie sind nicht automatisch Substitute. Generell ist das Gerede von Krieg und Killern oft irreführend.
  • Facebook ist etablierter, als die meisten Experten zu realisieren scheinen. Nicht nur die Größe auf Endnutzerseite ist enorm, auch die Integration via Like-Button und Facebook Connect auf den größten Websites ist enorm vorangeschritten. Letzteres ist sozusagen Facebooks Wassergraben.
  • Disruption passiert nicht über inkrementell besssere, aber grundsätzlich vergleichbare Angebote. Bedroht Facebook Google, weil Facebook eine Suchmaschine ist? Natürlich nicht.

Das alles heißt nicht, dass nicht doch irgendwann ein Angebot kommt, das Facebook zu schaffen machen wird. Das wird passieren. Und ich bin seit einem Jahr der Meinung, dass diese Herausforderung am wahrscheinlichsten von Google kommen kann. Aber wir sprechen hier von etwas, das höchstwahrscheinlich Jahre brauchen wird, um sichtbare Auswirkungen zu verursachen. Und das ‚Facebook-Zerstören‘ sollte nicht das Ziel sein. Die Facebook-Macht zu schwächen, wäre maximal ein Nebeneffekt eines guten Produkts, das für sich selbst stehen kann. Leider hat auch Google bis dato selbst mit den guten Angeboten (Buzz, Wave) mittelfristig enttäuscht.

Hier noch einmal der Link zu meinem Artikel über das beginnende Facebook-Jahrzehnt von vor ungefähr einem Jahr: 500 Millionen: Nach dem Google-Jahrzehnt kommt jetzt das Facebook-Jahrzehnt

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als freier Strategy Analyst und schreibt als Business Analyst regelmäßig bei digital kompakt, ist Co-Host des Exchanges-Podcasts, schreibt für diverse Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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Comments

  1. Ich möchte aber anmerken, dass der Autor einen ganz wichtigen Punkt in seiner Facebook-freundlichen Prognose ausgelassen hat. Nämlich das Rechtssystem. Aktuell arbeiten dt. Datenschützer daran, dass dt. Rechtssystem mit seinen harten Datenschutzregeln auf Facebook anzuwenden, unabhängig, wo dessen Server stehen. Und wenn das passiert, dass kann sich Facebook eiegntlich gleich selbst abschalten mitsamt seinen „Likes“.

    Grüße

    PS: Ich gebe zu, dass auch Google sich damit auseinander setzen muss.

  2. Das hat nichts mit „facebookfreundlich“ zu tun. Ich stehe Facebook genauso

    wie auch Google indifferent gegenüber und versuche, die Erfolgschancen

    abzuwägen. Ich würde auch eher wetten, dass es ein Eigentor für die

    deutschen Datenschützer wird, wenn sie Facebook zwingen, sich aus

    Deutschland zurückzuziehen. Die Durchdringung im deutschen Markt ist groß

    genug, um einen medialen Shitstorm loszubrechen, den die Datenschützer nur

    verlieren können.

  3. Da stellt sich natürlich die Frage, wer mehr Macht hat. Der deutsche Rechtsstaat (Datenschützer) mit seinen Gesetzen oder die Web-Nutzer. Wobei sich letztere in einem argumentativen Dilemma befinden werden, denn den Datenschutz der „Offline-Welt“ ist jedem Deutschen hoch und heilig; da darf keiner ran. Aber im Web ist es den meisten immer noch egal. Sich jetzt darüber aufzuregen, dass die selben Datenschutzgesetze in die digitale Welt übertragen werden, entbehrt, wenn man es zu Ende denkt – nolens volens – einer gewissen Logik. Hier zeigt sich in Ansätzen das, wissenschaftlich jedoch nicht ernst zu nehmende, Paradigma der strikten Trennung von Online und Offline. Aber das führt jetzt hier zu weit. Fazit: Ich glaube, nicht die User selbst sitzen am längeren Hebel, es würden wohl die Hacker werden, die in ihrem regelmäßigen Wahn der Freiheitsbeschneidung und nicht erfüllten Grundrechten den Server des Bundesjustizministeriums lahm legen könnten :-)

    Grüße #2

  4. Davon abgesehen, dass du natürlich recht hast:Das Gerede vom „X-Killer“ ist Effekthascherei von Journalisten, die nicht wissenüber was sie sonst schreiben sollen — oder gestreut von cleveren Werbeleuten,die ein Produkt fördern wollen.Vernünftig denkenden Personen ist das ohnehin klar; erst recht wenn es inZusammenhang mit Firmen wie Google, Facebook, Microsoft oder Twitter steht.Aber gut: deine Punkte „Substitut“, „Größe“ und „Disruption“ sind schönprägnant, man kann das auch gut auf Microsoft übertragen.“Das Problem der U.industrie in einem Satz“ war der bessere Artikel.

  5. Microsofts Wassergraben wird gerade von allen Seiten mit Cloudbrücken

    übergangen.

  6. S Vieser says:

    Hallo Herr Salzborn,

    Sie haben leider einen sehr komischen Eindruck von Datenschutz: Der ist durchaus für die Web-Nutzer da und in diesem Sinne durchaus sinnvoll. Warum sind denn Unternehmen – Hersteller wie Internet-Firmen wie Händler – so wahnsinnig scharf auf meine privaten Daten? Und warum wollen sie – siehe Apple oder Google – jetzt sogar meine Bewegungsdaten? Weil sie damit handfeste Geschäfte machen.

    Möglicherweise mag nicht jedes Datenschutz-Gesetz perfekt und das eine oder andere auch zu streng/altbacken/unpraktisch und zu überarbeiten sein – aber eigentlich müsste es im Sinne aller User sein, sich für mehr Datenschutz stark zu machen. Wer auf Facebook etwa Bilder einstellt, schenkt sie dem Unternehmen und kann nicht mehr bestimmen, wie und wo sie genutzt werden. Er wird übrigens auch nicht an Einnahmen beteiligt, die daraus resultieren könnten. Ähnliches gilt für Texte und andere Dinge. Adressenhandel ist sehr lukrativ (wer beteiligt mich als Userin eigenlich mal an diesen Geschäften und dass er mit meinem Namen und sonstigem Gedöns Geld verdient oder schenkt mir was dafür?), da werden auch Persönlichkeitsrechte getreten, die ich durchaus wichtig finde.

    Was mich allerdings wirklich stört ist, dass es kein Internet-Unternehmen gibt, das sich im Sinne von einer vertrauensvollen Kundenbeziehung zum Schutz meiner Daten bekennt, mich darüber informiert, was mit ihnen passiert, und wohin sie weiter gereicht werden. Stattdessen wird nur über Datenschutz gemosert, insbesondere den von Deutschland. Und auch das spricht Bände!

  7. Hallo Herr Vieser,
    ich verstehe Ihren Einwand im ersten Abschnitt nicht ganz. Letztlich geben Sie mir in Ihrem Post doch recht, brechen es nur auf die Unternehmensebene runter. Es ist belegt, dass vielen Nutzern der Datenschutz im Web erstmal egal ist. Das ist ebenso traurig wie gefährlich und ermöglicht, wie Sie es ja ausgeführt haben, dass die Firmen private Daten als Geschäftsgrundlage nutzen und niemand weiß, was mit seinen Infirmationen im Netz passiert – hier werden „Persönlichkeitsrechte getreten“!

    Ich hoffe, ich habe klar gemacht, dass ich ein Befürworter des Datenschutzes bin, egal ob off- oder online. Das ich somit keinen „komischen Eindruck von Datenschutz“ habe, sondern sogar mit Ihnen konform gehe.

    Grüße

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  1. […] werden. Die beiden Dienste sind sich einfach zu ähnlich, als dass sie sinnvoll koexistieren könnten wie Twitter neben Facebook neben Xing. Wer sein Profil auf Facebook pflegt, wird ziemlich […]

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