Was Voicefirst-Geräte wie Amazon Echo Look ermöglichen und was nicht

Ja, der Amazon Echo Look, ein Amazon Echo mit Kamera für Outfit-Selfies, mutet eigenartig an auf den ersten Blick.

Ich habe heute auf Early Moves darüber geschrieben:

The immediacy of voice enables every day usage that, over time, through accumulated data can enable new services:

„With Echo/Alexa in your closet, the system will slowly begin to understand what you own, like and may like in the future. In fact, it may turn out that many users will use the LookBook app rather than dig through their closet to suggest what to wear on a particular day. […]

Additionally sooner than most of us can think, Alexa may say “Lisa, you have a meeting with Bob today from headquarters, so I have made some suggestions in your LookBook so that you look your best. You also have a date with Eric and the same outfit will work for the evening, with the accessories you can add after work. What do you think?” […]

The Style Check aspect of Echo Look is a great example of how deep learning and AI can attack a problem. Over time, and based on your personalized look, Style Check will improve with ideas.“

Die Zitate stammen von diesem lesenswerten Artikel von Brian Roemmele.

Weiter von mir:

​There are several interesting questions arising from this:

When will Amazon release more Echo incarnations dedicated to specific use cases?
Which online retailers have similar ressources and competencies to build similar devices/services?
Which platforms will enable similar things in a modular fashion? (For online retailers not capable of doing it themselves. And yes, that pun was intended.) […]

There is now every conceivable way covered in which one can integrate Amazon’s voice technology: Integrate Alexa, integrate the microphone tech behind Echo, integrate only the core language technology. […]

Thus, it is not farfetched to assume that the cloud side of things (Lookbook, image recognition and categorization) of today’s Echo Look could become a platform themselves. (In fact, it makes no sense for Amazon to not open this up via APIs to hardware partners.)

​Der Echo Look, ein schlechterer Echo (bei Mikrofonen und Lautsprecher), der dank Kamera und zusätzlicher Sensoren teurer als der klassische Echo ist, wird ein Nischenprodukt bleiben.

Aber die Verbindung aus Sprachsteuerung, Kamera und machine learning / AI in der Cloud ist hier schon spannend. Abgesehen vom sofortigen Buzzwordbingogewinn zeigt Amazon, mal wieder, wohin sich (nicht nur) der Onlinehandel abseits der klasischen Screen-Interaktion entwickeln kann und wird.

Ein paar abschließende Anmerkungen zu den üblichen Diskussionen in Deutschland:

Spiegel Online:

Die Bilder und Videos, die Amazon standardmäßig „auf unbestimmte Zeit“ speichern will, könnten außerdem zur staatlichen Überwachung von Nutzern führen, warnen Tufekci und andere. So gab es in der Vergangenheit in den USA bereits Fälle, in denen Behörden auf die Daten von Amazons Audiogerät Echo zugreifen wollten – zum Beispiel um belastendes Material gegen einen Verdächtigen in einem Mordfall zu bekommen.

Amazon stellte den Ermittlungsbehörden im damaligen Fall Details über den Account des Verdächtigen und dessen Einkäufe zur Verfügung. Das Unternehmen verriet aber wohl keine Informationen, die der Echo auf dem Server des Unternehmens hinterlassen hat.

Was Spiegel Online unterschlägt:

Amazon wollte die Herausgabe der Daten im Mordfall bekämpfen. Der Angeklagte willigte der Herausgabe aber zu.

Es gibt ein (nicht nur) in Deutschland verbreitetes Missverständnis darüber, wie die Alexa-Voiceplattform (der Dienst hinter den Echos) arbeitet. Echos senden nicht konstant, was in einem Raum gesagt wird, an die Alexa-Plattform. Das wäre nicht nur privatsphärentechnisch schwierig. Es würde auch den Trafficdurchsatz der Internetanschlüsse der Nutzer erheblich beeinflussen und würde bei, nach letztem Stand vor einem Jahr, über 3 Millionen Echo-Geräten auch erhebliche und vor allem unnötige Kosten bei Amazon verursachen.

Echo sendet Daten erst, nachdem das Weckwort identifiziert wurde, also „Alexa“ in den meisten Fällen.

(Dieses Verhalten lässt sich von jedem technisch versierten Nutzer im Heimnetzwerk leicht nachprüfen.)

Was mögliche Datenschutzbedenken angeht, unterscheiden sich Echo oder auch Google Home also nur minimal bis gar nicht von anderen mit dem Internet verbundenen Mikrophonen wie denen in Smartphones, Laptops und Tablets zum Beispiel, welche auch daheim herumliegen und im Wlan sind.

Es ist also zum Beispiel nicht ganz klar, wieso zum Beispiel netzpolitik.org Amazon Echo eine Assistenzwanze nennt. Technisch unterscheidet sich der Echo nicht von einem iPhone, das mit Siri geweckt werden kann, oder von einem Android-Gerät, das mit „OK, Google“ geweckt werden kann. Details, Schmetails!

Zurück zum Mordfall: Wenn der Angeklagte schuldig war, hat er besser verstanden wie Echo arbeitet, als es die anfragende Polizeistelle verstand, und mit der Freigabe ohne Not sich unschuldiger ausehen lassen. Denn die Daten, die Alexa/Echo aufzeichnen, werden in solchen Fällen nur potentiell relevant, wenn ein Alex involviert ist. Oder das Setzen eines Timers oder eine Musikauswahl schnell und schrecklich eskaliert.

Natürlich können Echos zur staatlichen Überwachung eingesetzt werden. Aber kein Geheimdienst braucht ein Echo in einem Raum, in dem sich so viele Smartphones wie Menschen befinden.

Zur Not lässt sich alles mit einem Button abschalten:

For piece of mind, a button on the side turns off both the camera and the always-listening microphone.

Es bleibt natürlich ein Spannungsfeld zwischen privat und semi-privat, dass mit diesen vernetzten Voice-Geräten aufgemacht wird. Aber das gilt weithin für das Internet und die rasante Zunahme vernetzter Geräte. (Wenn Echos Wanzen sind, was werden dann selbstfahrende Autos erst sein? Der deutsche Datenschutz scheint längst Peak Ideologie erreicht zu haben. Oder anders gesagt: Da scheint jemand die Fähigkeit zu verlieren, über sein Kernthema kommunizieren zu können.)

Wir haben in Thingonomics in den letzten Monaten ausführlich in zwei Ausgaben über Amazon und Voice gesprochen:

​* Thingonomics 18: Amazon, Google, Apple und die Zukunft der Voice-Assistenten
* Thingonomics 16: Wo Amazon mit Alexa heute steht


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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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