Warum das Crowdfunding von Ubuntu Edge scheiterte

Canonical hat mit über 12,8 Millionen eingesammelten US-Dollar zwar einen neuen Crowdfunding-Rekord1 aufgestellt, aber das extrem hochgesetzte Ziel nicht erreicht. The Guardian:

The Ubuntu Edge crowdfunding project has missed its $32m target by nearly $20m, winning $12.6m of pledges and a total of 17,215 phones out of the 40,000 it needed to be funded. All the money will now be returned; IndieGoGo is forsaking the usual cut that it demands from failed projects.

Woran lag's? Als ich die Crowdfundingaktion von Canonical sah, war ich sofort skeptisch, hoffte aber mich zu irren. Ein so hohes Ziel heutzutage über Crowdfunding zu erreichen, ist noch schwierig aber nicht unmöglich. Aber was mich sehr skeptisch machte, waren die gewählten Tiers. Canonical setzte für sein Crowdfunding stark auf Unternehmen, die jetzt quasi Smartphones vorbestellen und sie voraussichtlich im Mai 2014 erhalten hätten. Also wahrscheinlich ein Jahr nach der Überweisung des Geldes, da sich solche Produktionen von unerfahrenen Hardwareherstellern fast immer verzögern. Wie viele Unternehmen machen so etwas? Wie viele CTOs können so etwas intern vorschlagen, ohne ausgelacht oder gekündigt zu werden? Vor allem, wenn es um ein noch nicht auf dem Markt getestetes mobiles OS geht?

Tatsächlich hat nur Bloomberg bei dem großen Paket zugeschlagen. The Guardian:

In the end, though, only Bloomberg came forward as a company prepared to put substantial money into the project, pledging for one of “Enterprise” slots which would have cost $80,000 and given it 115 phones. Three other unnamed organisations pitched in for “Enterprise Starter” slots costing $7,000 and offering 10 phones.
But the majority of funding came from individuals pledging to buy a phone at between $600 (the first-day price, where 5,044 were snapped up) and $830, with a number of prices in between. In the later stages, the per-handset price was set at $695 – thanks, Shuttleworth said, to promises from manufacturers if the scheme went ahead.

Das ist alles sehr bedauerlich, weil die erreichte Summe trotzdem eine Sensation ist und zeigt, dass Canonical mit dem Ubuntu Edge bei vielen einen Nerv getroffen hat. Man schau allein, wie hoch die zu zahlenden Summen für Privatpersonen war.

Hätte Canonical ein bisschen kleinere Brötchen gebacken, hätten sie einen sensationellen Erfolg verbuchen können. Eine geringere Abhängigkeit von Unternehmen und Abstriche bei der Hardware, die den Einstiegspreis für Privatpersonen erschwinglicher gemacht hätten und eine niedrigere Endsumme: Das alles hätte einen Erfolg sicher gemacht, wie die heutigen, wie gesagt sensationellen, Zahlen zeigen.

Mit dem Scheitern des Crowdfundings ist Ubuntu Mobile allerdings nicht am Ende. Nur das Edge, das Superphone wie es Canonical-CEO Mark Shuttleworth nannte, scheint wohl nicht das Licht der Welt zu erblicken.

Siehe zu Ubuntu Mobile auch:
Ubuntu wird der spannendste Neuzugang auf dem Tabletmarkt
Canonical kündigt Ubuntu für Smartphones an, erste Geräte 2014


  1. Die Smartwatch Pebble hat die bisher höchste Crowdfunding-Summe eingesammelt. Im Gegensatz zu Ubuntu Edge war Pebble allerdings auch erfolgreich im Erreichen des Ziels und somit dem Erhalten der Summe. 

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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