FAZ und SZ gehen nach Commentarist und Perlentaucher jetzt auch gegen Echobot juristisch vor

Spiegel Online:

„FAZ“ und „SZ“ argumentieren, dass schon für die Übernahme von Überschriften und Artikelauszügen eine Erlaubnis des jeweiligen Verlags notwendig sei. Außerdem stören sie sich daran, dass Echobot die Artikel für seine Nutzer zugänglich macht – mit einem Klick wird die Original-Website auf der Echobot-Seite eingebettet, so ähnlich wie ein YouTube-Video.

Was Google allerdings nicht macht: Zahlende Echobot-Kunden bekommen eine Funktion angeboten, mit der sich nur der komplette Text der verlinkten Seite anzeigen oder als PDF-Datei herunterladen lässt – so kommen die Kunden an Volltexte, ohne selbst von den Websites Screenshots machen zu müssen. Echobot-Geschäftsführer Bastian Karweg verteidigt das: „Die Volltext-Funktion wird nicht von uns, sondern komplett von einem US-Anbieter bereitgestellt. Auf diesen verlinken wir, aber auch nur dann, wenn der Kunde sich zuvor auch den eigentlichen Artikel angeschaut hat.“

Nach der Vorgeschichte der Verlage mit Commentarist und Perlentaucher ist diese Aktion von FAZ und SZ nicht überraschend.

Mit einem Leistungsschutzrecht hätten es Presseverlage weitaus einfacher gegen Startups wie Echobot. Die Frage lautet jetzt natürlich, ob es gesellschaftlich wünschenswert ist, wenn das so wäre.

Da es kein Leistungsschutzrecht für Presseerzeugnisse gibt, muss die beauftragte Kanzlei zu dem einen oder anderen juristischen Trick greifen:

Wie schon im Fall Commentarist moniert die Kanzlei auch bei Echobot die rechtswidrige Verwendung der Logos der beiden Zeitungen. Bei Echobot werden neben dem Link auf die Quelle die sogenannten Favicons angezeigt, die 16×16 Pixel kleinen Seitenlogos, die im Browser neben der Adresse der Website stehen und zum Beispiel beim Erstellen von Bookmarks von den Browsern mit abgespeichert werden.

Da das gängige und sinnvolle Praxis bei verweisenden Webdiensten ist, dürfte die Kanzlei damit kaum vor Gericht gewinnen. Vor allem, da FAZ und SZ nicht gegen weitere Webdienste vorgehen, die ebenfalls so arbeiten.

Echobot hat zum Vorgang eine eigene Seite online gestellt. Im Gegensatz zu Commentarist, das Verweise auf die Publikationen aus dem eigenen Angebot entfernt hat, will sich Echobot wehren. Das wäre insofern wünschenswert, als das hier Rechtssicherheit wichtig für weitere Innoationen in der deutschen Presselandschaft ist.

Siehe für Reaktionen auch Rivva.

Zum Thema:

Mehr zum Medienwandel

Onlinestudie: Wie wenig die politisch entscheidende Generation in Deutschland tatsächlich online ist

Dennis Horn hat ein paar Erkenntnisse aus der diesjährigen ARD-ZDF-Onlinestudie im Blog des WDR zusammengefasst: 62,4 Millionen Menschen ab 14 Jahren in Deutschland sind Internetnutzer. Das entspricht 90 Prozent. Täglich gehen 50 Millionen Nutzer ins Internet. Das sind 72 Prozent. […] Die „jungen Leute“ nutzen das Netz viereinhalb Stunden am Tag. Wer 14 bis 29 […]

Die öffentlich-rechtlichen Medien müssen ihren Platz online endlich finden

Leonhard Dobusch schreibt auf netzpolitik.org über ein Thesenpapier zur Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien. Mehr zum Papier auch unter zukunft-öffentlich-rechtliche.de. Ausgangspunkt für das Thesenpapier (PDF) ist die Frage, welchen Auftrag der öffentlich-rechtliche Rundfunk unter den Bedingungen der digitalen Medienwelt erfüllen soll und welcher Schritte es bedarf, damit er seinen Auftrag unter Wahrung seiner besonderen Qualitätsstandards erfüllen […]

Spiegel Daily soll bis jetzt nur 3.000 Voll-Abos erreicht haben

Desaströs. Wer mit offenen Augen auf die Medienlandschaft schaut und auf das schaut, was Spiegel Daily bietet und nicht bietet, wird nicht überrascht sein. Der Mediendienst Meedia berichtet, dass Spiegel Daily bis jetzt nur 3.000 Voll-Abos erreicht hat: So sind die bisherigen Abo-Zahlen nach MEEDIA-Informationen sehr verhalten. Hausintern kursiert eine Zahl von weniger als 3.000 […]

neunetz.com abonnieren und keine Artikel mehr verpassen!

Neue Artikel auf neunetz.com per Email erhalten, immer Montags, Mittwochs und Freitags. Jetzt anmelden und künftig besser informiert sein!

Email-Adresse eingeben:


neunetz.com kann auch per RSS-Feed (oder JSON-Feed) abonniert werden. neunetz.com ist natürlich auch auf Twitter und Facebook vertreten.

About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
Marcel Weiß auf Twitter und auf Facebook abonnieren. (Mehr)